Mittwoch, 9. Juni 2010

Durch die Lautenschlagerstraße in der Stuttgarter Innenstadt


Die Lautenschlagerstraße verläuft in nur 170 Metern Abstand parallel zur Königstraße, der Haupteinkaufsstraße Stuttgart`s. Und doch könnten beide Straßen unterschiedlicher nicht sein. Während in der Königstraße eine der höchsten Passantenfrequenzen ganz Deutschlands herrscht, trifft man in der Lautenschlagerstraße nur wenige Menschen. Und während sich in der Königstraße Laden an Laden und Kaufhaus an Kaufhaus reiht, ist die Lautenschlagerstraße nicht gerade als Einkaufsstraße bekannt.

Die Stadtplanung hat sich jedoch der Lautenschlagerstraße angenommen. Die Lautenschlagerstraße soll in den nächsten Jahren zu einem Boulevard entwickelt werden, der ein Stück weit auch die Königstraße entlasten könnte. Hierzu wird der Straßenraum teilweise neu geordnet, die teilweise zu massiv vorhandenen Straßenbäume wurden bereits reduziert. Vor allem aber stützt sich die Revitalisierung der Lautenschlagerstraße auf die Investitionen privater Bauherren, die durch modernisierte oder neu zu bauende Gebäude mehr Urbanität in die Straße  bringen sollen.

Es wird somit Zeit für einen kleinen Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße, bei dem das bereits Erreichte, die laufenden Maßnahmen sowie die geplanten Vorhaben Thema sein können. Die Lautenschlagerstraße ist nur 400 Meter lang. Somit braucht man beim Spaziergang nicht zu hetzen.

Einen Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße beginnt man am Besten im Stuttgarter Hauptbahnhof. Während die Große Schalterhalle zur Königstraße führt, befindet sich die Kleine Schalterhalle in der Achse der Lautenschlagerstraße. Es hat fast etwas Feierliches, wenn man die breite Treppe von der Kleinen Schalterhalle mit Sicht auf die Lautenschlagerstraße herabsteigt. Den Arnulf-Klett-Platz quert man mit Hilfe der Fußgänger-Lichtsignalanlage. Wegen des starken Kraftfahrzeugverkehrs sind die Wartezeiten für die Fußgänger jedoch lang und die Grünzeiten kurz.  


Die Lautenschlagerstraße endet bei der querenden Bolzstraße. Über die Bolzstraße nach links erreicht man in einer Minute den Schlossplatz. Geradeaus weitergehend kommt man in die breite Theodor-Heuss-Straße. Und am Ende der Lautenschlagerstraße befindet sich auch ein Abgang zur Stadtbahnhaltestelle Friedrichsbau (Börse). 

Aktualisierung:
Der Post vom 05.01.2012  in diesem Blog beinhaltet erneut einen Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße.

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt. 

Die Lautenschlagerstraße beginnt wie auch die Königstraße direkt beim Stuttgarter Hauptbahnhof. Hier blickt man von der Treppe bei der Kleinen Schalterhalle über den Arnulf-Klett-Platz hinweg in die Lautenschlagerstraße.

Das Hotel Graf Zeppelin, eines der großen Hotels von Stuttgart, erhebt sich an der Ecke Arnulf-Klett-Platz / Lautenschlagerstraße. Der Zeppelinbau wurde in den Jahren 1929 bis 1931 errichtet, unter anderem vom bekannten Architekten Paul Bonatz.
       
Das Parkhaus von Galeria Kaufhof an der Kreuzung Lautenschlager-/ Kronenstraße: Das Parkhaus wurde erst vor einem Jahr grundlegend modernisiert, die Fassade erneuert. In seinen Proportionen, in der Gebäudehöhe und mit der Gebäudefront passt sich das Parkhaus relativ gut in das Straßengefüge ein. Durch die neue Fassade wird das Straßenbild entscheidend aufgewertet.

Der an der Kreuzung Lautenschlagerstraße / Kronenstraße gelegene Teil des Zeppelinbaus wurde in den Jahren 1995 bis 1998 umgestaltet und heißt jetzt Zeppelin-Carre. Neben einer neuen Gebäudefront war das wichtigste Element der Umgestaltung die Öffnung der Innenhöfe für die Öffentlichkeit. Eine Besichtigung der Innenhöfe des Zeppelin-Carres gehört unbedingt zu einem Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße dazu.

Das Zeppelincarré verfügt über mehrere Innenhöfe, in denen sich unter anderem Wasserspiele und ein Cafe befinden.
Ein Wasservorhang trennt die Zufahrt zur Tiefgarage von einem der Innenhöfe des Zeppelincarrés ab.

An der westlichen Ecke der Kreuzung Lautenschlager-/Kronenstraße befindet sich eine unbebaute Fläche, die bis zum Jahr 1993 als City-Air-Terminal für den Busverkehr zum Flughafen Stuttgart diente. Nun steht ein Hotelbau an dieser Stelle an, ebenfalls im Bestreben, der Straße einen geschlossenen Boulevardcharakter zu geben. Als letzter bekannter Termin für den Baubeginn wurde der Mai 2010 gehandelt. Jetzt ist aber bereits Juni, ohne dass vor Ort sichtbare Aktivitäten im Gange sind. Über das Bürogebäude hinten links schweigen wir aus Höflichkeit.

Das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion wurde 1925 bis 1928 erbaut und wegen Baufälligkeit 1981 bis 1988 als Kopie des Originals neu erbaut. Das zehngeschossige Hochhaus war eine der ersten Eisenbetonskelettkonstruktionen Stuttgarts. Das Gebäude steht nun seit einigen Jahren wieder leer und wird seit Mai 2010 erneut umgebaut.

Drei Kräne befinden sich seit Mai 2010 beim monumentalen Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion. Die Firma Hines Immobilien wird das Gebäude für ein Einkaufszentrum umbauen. In diesem Zusammenhang werden auch einige Gebäudeteile, wie z.B. die Seitenflügel aufgestockt, auch wird eine Panoramaetage gebaut. Einige historische Bauteile werden vorübergehend bis zum Ende der Bauarbeiten abmontiert. Als Ankermieter für das Einkaufszentrum wurde Elektro Conrad gewonnen.

Das ehemalige, 1934 bis 1936 erbaute Verwaltungsgebäude der EnBW steht inzwischen leer und soll durch einen Neubau ersetzt werden (Bülow-Carre). Der Neubau verzögert sich jedoch wie einige andere auch wegen der Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Mit dem Neubau soll die Gebäudefront näher an die Straße herangerückt werden, um ihr den angestrebten Boulevardcharakter mit einer gleichmäßigen Flucht der Gebäude zu geben.

Das Gebäude gegenüber dem zukünftigen Bülow-Carre wirkt großstädtisch und zeitlos schön. Hoffentlich kommt nicht jemand einmal auf die Idee, dieses Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen.

Dieses 1864 bis 1867 erbaute Gebäude an der Einmündung Lautenschlagerstraße / Bolzstraße ist der Rest des ehemaligen Hauptbahnhofs von Stuttgart.

Kommentare:

  1. Eine solche, differenzierte Stadtbetrachtung finde ich sehr wertvoll, auch wenn ich mit Teilen der subjektiven Bewertung der Veränderungsmaßnahmen nicht übereinstimme:
    Ich glaube nämlich nicht, dass es sinnvoll und erfolgreich ist, die gleichen Nutzungen und den gleichen Charakter in die Parallel-und Seitenstraßen fortzuführen.
    Es gibt immer nur e i n e beste Adresse für ein bestimmtes Angebot, an denen sich die großen und namhaften Läden festmachen. Danach gibt es sekundäre und tertiäre Geschäftslagen (Tübinger Straße, Kronenstraße, etc...). Es wäre besser eine echte Angebotsergänzung zu entwickeln, zur hektischen Verkaufsmeile, eine beschauliche, stille Ausweichmöglichkeit, mit breiten Fußgängersteigen- in Teilen begrünt und bekiest vielleicht und Platzräumen, die mehr Baumgrün und nicht weniger bieten, eine beruhigende Stimmung und beschauliche Gastronomie, bzw. ein entsprechendes Warensortiment (Kunstgalerien, Bücherläden, Kaffees) parallel zur Königstraße aufweisen. Das wäre eine Bereicherung, für die Stadtlandschaft und ein wirklich sinnvolles Angebot an die Bürger und Besucher der Stadt.
    Dipl.-Ing. Wallie Heinisch, Architektin Stuttgart

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    1. Gute Idee mit dem "anderen Angebot". Nur ich sehe keine Investoren die was "anderes" wollen.

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  2. ...wenn ich so etwas lese, bin ich am Verzweifeln:

    "Hierzu wird der Straßenraum teilweise neu geordnet, die teilweise zu massiv vorhandenen Straßenbäume wurden bereits reduziert."

    Stuttgart wird damit auf keinenfall schöner!!

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