Montag, 5. Juli 2010

Tübinger Straße von S-Mitte nach S-Süd


Die Tübinger Straße verbindet die Stuttgarter Innenstadt bei der Königstraße mit dem Marienplatz in Stuttgart-Süd. Der Name der Straße deutet darauf hin, dass über diese Straße früher die direkte Verbindung zwischen Stuttgart und Tübingen verlief. Das ist heute nicht mehr der Fall. 

Will man heute mit dem Auto von Stuttgart nach Tübingen fahren, verlässt man den Stuttgarter Talkessel über die Neue Weinsteige. Der Name der Tübinger Straße bezieht sich jedoch auf die Zeiten, als es die Neue Weinsteige noch nicht gab. Damals verlief die Verbindung nach Tübingen über die Tübinger Straße bis zur heutigen Paulinenbrücke, dann nach links zum heutigen Österreichischen Platz und weiter über die Hauptstätter Straße zur Alten Weinsteige. Es gab auch ein Stadttor, das ab 1811 Tübinger Tor hieß. Es befand sich gleich am Anfang der Tübinger Straße bei der Einmündung der Kleinen Königstraße.

Die Tübinger Straße ist ca. 1100 Meter lang. Ein Spaziergang entlang der Tübinger Straße ist gerade in diesen Monaten interessant, denn städtebaulich tut sich zur Zeit einiges entlang dieser Straße.

Den Ausgangspunkt des Spaziergangs durch die Tübinger Straße erreicht man über die Stadtbahnhaltestelle Rotebühlplatz (Stadtmitte), Stadtbahnlinien U2, U4, U14. Der Endpunkt ist am Marienplatz, wo die Stadtbahnlinien U1 und U14 verkehren.


Aktualisierung: der Post vom 07.11.2011 in diesem Blog befasst sich erneut mit der Tübinger Straße


Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Süd. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Süd befassen, verlinkt.

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt.  

Der erste Teil der Tübinger Straße ab der Königstraße macht einen prächtigen Eindruck. Dazu tragen bei die einheitliche Höhe der Gebäude, die einheitlich verlaufende Gebäudekante, die teilweise noch erhaltenen gründerzeitlichen Fassaden sowie der leichte Straßenbogen.
 
 Im Straßengeviert zwischen der Tübinger Straße, der Paulinenbrücke, der Marienstraße sowie der Sophienstraße stehen bereits viele Gebäude leer. Fast alle Gebäude in diesem Viereck werden voraussichtlich noch in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 abgerissen, um dem sogenannten Quartier S, einer großen Ladenpassage mit Wohnungen und Büros Platz zu machen (Ergänzung vom 12.09.2013: Das Quartier S wurde in "Gerber" umbenant).

Auf Höhe der Einmündung Gerberstraße spannt sich die Paulinenbrücke über die Tübinger Straße. Die Paulinenbrücke ist Bestandteil des Stuttgarter City-Rings. Die Paulinenbrücke ist ein Relikt aus den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als man eine autofreundliche Stadt bauen wollte. Bestandteil der autofreundlichen Stadt sollten auch Hochstraßen sein. Es gibt in jüngster Zeit immer wieder Bestrebungen, die Paulinenbrücke abzureißen und durch eine ebenerdige Straßenführung zu ersetzen. Diese Planungen können wegen Geldmangel  jedoch noch nicht verwirklicht werden. 

 Im Straßengeviert zwischen der Tübinger Straße, der Paulinenbrücke, dem Österreichischen Platz und der Feinstraße residierten noch bis vor kurzem die WGV-Versicherungen in einem Solitärgebäude, das die Straßenfluchten nicht berücksichtigte. Dieser Planungsfehler aus den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in den vergangenen Wochen abgerissen. Das Grundstück wurde an die Firma Hochtief verkauft, die jetzt einen wesentlich größeren Neubau (genannt Caleido) verwirklichen wird. Der Neubau wird die Straßenkanten besser berücksichtigen.   

 Der Paulinenbrunnen steht auf dem Rupert-Mayer-Platz. Die Figurengruppe heißt Mutterliebe. Die Mutter trägt ein Kind auf dem Arm und hilft dem anderen Kind beim Halten eines Wasserkrugs. Das Denkmal wurde im Jahr 1917 eingeschmolzen, weil das Metall für kriegerische Zwecke benötigt wurde. Erst am 4. Mai 2008 wurde eine Replik der Mutterliebe beim Paulinenbrunnen feierlich enthüllt. Es gibt weitere Repliken der Figurengruppe. Eine steht seit 1881 in New York auf dem Union Square, weitere stehen in Weimar sowie in Svitavy (Tschechische Republik).

Die 1871 bis 1879 im neugotischen Stil erbaute Marienkirche war der erste katholische Kirchenneubau in Stuttgart nach der Reformation. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg dauerte es bis zum Jahr 1971, bis die Kirche in einer vereinfachten Form wiederhergestellt war.
Der Platz zwischen der Paulinenbrücke und der Marienkirche (Rupert-Mayer-Platz) wird zur Zeit neu gestaltet. Teile des neugestalteten Platzes sind bereits zugänglich. Die Arbeiten werden jedoch erst ca. Ende August 2010 beendet sein.
Die WGV-Versicherungen sind vor wenigen Jahren in einen Neubau im Geviert zwischen der Tübinger Straße, der Feinstraße, der Hauptstätter Straße und der Fangelsbachstraße umgezogen. Der südwestliche Teil des Gevierts (im Hintergrund rechts) steht in den nächsten Jahren noch zur Neubebauung an. 
 Das humanistische Karlsgymnasium gehört zu den renommiertesten Schulen Stuttgarts. Es befindet sich in diesem gründerzeitlichen Gebäude zwischen Furtbachstraße und Tübinger Straße.
 Erst vor wenigen Jahren hat das Karls-Gymnasium einen neue moderne Turnhalle erhalten.

 In diesem historischen ehemaligen Wachgebäude befindet sich zur Zeit noch das Stadtarchiv Stuttgart. Nach dem vom Oktober bis Dezember 2010 erfolgenden Umzug des Stadtarchivs in einen renovierten historischen Bau in Bad Cannstatt wird der gesamte Block zwischen Tübinger Straße und Fangelsbachstraße von den WGV-Versicherungen neu bebaut. Hierbei muss allerdings das historische Gebäude integriert werden. 

 Der Gebäudeblock im Viertel zwischen der Tübinger Straße, der Fangelsbachstraße, der Hauptstätter Straße und der Cottastraße passt überhaupt nicht ins Bild der Tübinger Straße. Hier stehen noch Gebäude, die nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg auf die Schnelle errichtet wurden. Vor wenigen Monaten wurden Pläne vorgestellt, das gesamte Viertel neu zu bebauen. Hoffen wir, dass ein Entwurf umgesetzt wird, der die städtebauliche Situation in der Tübinger Straße (Gebäudehöhen, Fassaden, Gebäudekanten) berücksichtigt.  

Die Gebäude der Brauerei Dinkelacker nehmen eine lange Strecke an der Nordwestseite der Tübinger Straße ein.

Vor dem Gebäude der Brauerei Dinkelacker parkt dieser historische VW-Bus mit der Werbung für Wulle-Biere. Die Brauerei Wulle war eine bekannte Stuttgarter Brauerei, die sich auf dem Gelände zwischen der Willy-Brandt-Straße und dem Kernerplatz befand (heute Hotel Meridien und Landesministerien). Auch Jahrzehnte nach der Schließung der Brauerei Wulle war die Erinnerung an die Wulle-Biere lebendig geblieben. Die Brauerei Dinkelacker erwarb die Rechte am Namen Wulle und stellt inzwischen wieder Wulle-Biere her.
In der Tübinger Straße verkehrte bis zum Jahr 1971 die Straßenbahn. Darunter war die Straßenbahnlinie 1, die im Verlauf ihres Linienwegs an allen vier großen damaligen Stuttgarter Brauereien vorbeifuhr (Wulle, Dinkelacker, Stuttgarter Hofbräu, Schwaben Bräu). Im Volksmund nannte man diese Linie deshalb auch die Brauereilinie.

Gegen den Marienplatz zu, der sich im Hintergrund bei dem weißen Gebäude befindet, säumen die Tübinger Straße erneut gründerzeitliche Häuser.
   

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