Samstag, 17. Juli 2010

Zum Bannwald Mietholz


Ein Wildnisgebiet oder einen Urwald als Attraktion für die Bevölkerung und für Besucher gibt es auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Stuttgart noch nicht. Da sind andere Großstädte bzw. Verdichtungsräume schon viel weiter.

Beispiele :
Der Naturerlebnispark Sihlwald bei Zürich, der Saarkohlenwald bei Saarbrücken, das Schöneberger Südgelände in Berlin, das Erawäldele in Bregenz, der Faberpark in Nürnberg, die Sinai-Wildnis in Frankfurt/Main, der Tyresta-Nationalpark in Stockholm, der Nationalpark Donau-Auen in Wien usw.

Alle diese Städte haben erkannt, dass ein Urwald bzw. Wildnis innerhalb des Stadtgebiets ein wichtiger Standortfaktor ist, der in der Zukunft noch stark an Bedeutung gewinnen wird. Und alle diese Städte helfen der Unesco, die Biodiversitätsstrategie, zu der ein weltumspannendes Netz von Wildnisgebieten gehört, der Großstadtbevölkerung näher zu bringen.

Den Gemeinderäten von Stuttgart kann man es eigentlich nicht verübeln, dass das Thema Wildnis in Stuttgart (noch) nicht präsent ist. Denn diese ehrenamtlich tätigen Volksvertreter müssen sich mit allzu vielen, oft sehr komplizierten Themen herumschlagen. Bei den hauptberuflich auf dem Gebiet des Forsts bzw. des Gartenbaus tätigen Beamten oder Angestellten müsste man jedoch andere Maßstäbe anlegen. Gehört es nicht zum Aufgabenspektrum dieser Staatsdiener, auch Visionen für ein Wildnisgebiet irgendwo in Stuttgart zu entwickeln? Es gibt Städte und Verdichtungsräume, in denen Privatpersonen oder Staatsdiener sich dieser Aufgabe gestellt haben oder stellen (siehe die obige Auflistung).  

Solange es in Stuttgart keine Attraktion Wildnisgebiet gibt, muss man sich im Umland von Stuttgart umsehen. Der Stuttgart nächstgelegene Bannwald im Rahmen des Waldschutzprogramms von Baden-Württemberg ist der Bannwald Mietholz. Er befindet sich nur wenige hundert Meter hinter der Stadtgrenze von Stuttgart im Landkreis Böblingen unmittelbar östlich der Autobahn A8. Der Bannwald Mietholz wurde im Jahr 2002 verordnet und hat eine Größe von 60 Hektar.

Im heutigen Post wird eine Wanderung zum Bannwald Mietholz vorgeschlagen. Ausgangspunkt ist der Katzenbacher Hof, einer der bekanntesten Biergärten von Stuttgart. Er liegt mitten im Wald, ist jedoch mit dem Auto anfahrbar. 


Obwohl das Land Baden-Württemberg für seine Bannwälder ein Informationskonzept mit Informationstafeln vor Ort entwickelt hat, sind beim Bannwald Mietholz keinerlei Informationseinrichtungen (mit Ausnahme der den Bannwald gemäß  Landeswaldgesetz kennzeichnenden Schilder) zu finden. Vermutlich ist das nicht vorhandene Geld der Grund, weshalb das Informationskonzept für die Bannwälder bisher nur zur Hälfte umgesetzt worden ist. Der Bannwald Mietholz ist somit etwas Geheimnisvolles. Nur wenige Menschen kennen das Gebiet. Ist man jedoch einmal dort gewesen und hat auch das Wetter mitgespielt, ist nicht auszuschließen, dass man zum Bannwald-Fan wird und zukünftig jedes Jahr wiederkommt, um das rasch sich wandelnde Waldbild zu verfolgen. 


Den Katzenbacher Hof erreicht man, indem man von Stuttgart-Büsnau über die L 1189, die Magstadter Straße in Richtung Sindelfingen fährt und ca. 1,9 Kilometer nach der letzten lichtsignalgeregelten Kreuzung nach links abbiegt. Parkplätze sind ca. 200 Meter vor dem Katzenbacher Hof vorhanden. Mit den Buslinien 81, 84, 91 und 92 kann man bis zur Haltestelle Max-Planck-Institut fahren. Von dort geht man auf der Heisenbergstraße nach Westen an den Institutsgebäuden vorbei. Hinter dem Gebäudekomplex wendet man sich nach links und kommt nach wenigen Metern zum Eingang in den Wald mit Informationstafel. Nun geht es auf dem Katzenbacher Hof - Sträßchen und später auf der Büsnauer Allee mit dem Zeichen rotes Kreuz schnurgerade zum Katzenbacher Hof (Haltestelle - Katzenbacher Hof: 1,7 Kilometer).

Vom Katzenbacher Hof geht es im Rahmen einer kleinen Rundtour zum Bannwald Mietholz. Östlich des Biergartens führt ein mit dem Zeichen roter Punkt markierter Wiesenweg nach Süden. Man quert den Brunnenweg (Forstweg). Dahinter steigt man wenige Meter an und biegt nach rechts in die Mietholz Allee (Wanderzeichen blauer Strich) ab. Es geht nun immer geradeaus, bei einer Verzweigung halbrechts. Der Weg steigt leicht an. Bald ist die Grenze des Bannwalds Mietholz erreicht (Schild). Man kommt nun der Autobahn A8 immer näher. Der Bannwald grenzt unmittelbar an die Autobahn. Man biegt nun nach links auf einen asphaltierten Weg ab, den Rotsteiglesweg. Der Bannwald bietet stets wechselnde Bilder. Rechts hört man die Autobahn. Ein Weg, der nach links abbiegt, ist gemäß Schild gesperrt. Man geht weiter geradeaus, gar nicht weit weg sieht man rechts einen Parkplatz an der Autobahn.

Man kommt dann an einer großen Schießanlage vorbei (links des Wegs). Nach dem Haupteingang der Schießanlage geht es noch wenige Meter geradeaus, dann biegt man scharf nach links ab und geht nun auf der gegenüberliegenden Seite der Schießanlage wieder zurück. Bei Verzweigungen hält man sich an den linken Ast. Bald ist man hinter der Schießanlage wieder im Bannwald. Nach einiger Zeit stößt man beim Bannwaldende auf die Kreuzbuchallee, der man nach links folgt. Dieser Weg mündet wieder in die Mietholz-Allee. Damit ist der Rundgang beendet und es geht auf dem bereits bekannten Weg zurück zum Katzenbacher Hof, wo man sich jetzt eine Erfrischung verdient hat.

Die Entfernung der Rundtour ab / bis Katzenbacher Hof ist ca. 5 Kilometer. Bei Start an der Bushaltestelle Max-Planck-Institut ist man insgesamt 8,4 Kilometer unterwegs.    

Die Grenzen des Bannwalds sind vor Ort anhand der Beschilderung klar zu erkennen.
Spannende Abläufe im Bannwald Mietholz: Ein vor einigen Jahrzehnten gepflanzter, standortfremder Fichtenbestand bricht zusammen und lässt Licht auf den Waldboden fallen. Sofort beginnen standortgerechte Laubbäume zu wachsen.
            
 Auch eine kulturelle Kostbarkeit ist im Bannwald Mietholz versteckt: hier sind einige Trümmer der Hospitalkirche von Stuttgart aufgestellt, drei Steinquader und ein Taufstein (umgedreht). Die Hospitalkirche wurde am 12./13.09.1944 durch einen Luftangriff zerstört (später vereinfacht wiederaufgebaut). Aktualisierung: Im September 2014 wurde der Taufstein demontiert. Im Oktober 2014 wird der Taufstein im Hospitalhof aufgestellt.
Ein Sturm hat vor einigen Jahren in diesem Waldstück viele Bäume umgehauen. Der Jungwuchs ist bereits so groß und dicht, dass man die am Boden liegenden Baumleichen kaum mehr sieht.

Kommentare:

  1. Hallo. Wirklich ein netter Vorschlag zum Wandern. Eignet sich dieser auch für (geländegängige) Kinderwagen?

    Sind Sie/bist Du schon mal, sagen wir vom Waldfriedhof in Degerloch über den Weg am Nesenbach und wieder zurück Richtung Seilbahn oberhalb der Straße zwischen Heslach und Vaihingen gelaufen? Wir gehen diesen Weg sehroft und haben mit Schrecken den Kahlschlag dort zur Kenntnis nehmen müssen. Wahrlich kein schöner Anblick. Wir hoffen, es wird sich wieder erholen...

    Übrigens: ich habe mir erlaubt, Ihren/Deinen Blog auf dem meinigen (stuttgart-daily-photo.blogspot.com) zu verlinken. Ohne jede Verpflichtung natürlich.

    Grüßle
    Steffen

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  2. Hallo Steffen,

    die Umrundung des Bannwalds Mietholz auf den im Post vom 17. Juli 2010 vorgeschlagenen Wegen ist kinderwagen- und fahrradgerecht. Es handelt sich ausnahmslos um gekieste oder sogar asphaltierte Forstwege. Bis vor wenigen Jahren konnte man auf einem immer mehr zuwachsenden Pfad auch mitten durch den Bannwald hindurchgehen. Dieser Weg ist inzwischen gesperrt. Er führt nur noch als Sackgasse zu einem Jägerhochsitz im Bannwald.

    Grüße
    Fritz

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  3. Hallo kann jemand mehr zu diesem Schießstand sagen?

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