Dienstag, 8. Februar 2011

Zum Naturdenkmal Birkensee im Schönbuch


Das Feuchtgebiet Birkensee befindet sich fast auf dem höchsten Punkt des Schönbuchs. Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig an. Denn Feuchtgebiete vermutet man doch eher an tiefergelegenen Stellen des Geländes.

Beim Feuchtgebiet Birkensee handelt es sich um eine Plateauvermoorung. Und damit ist dieses Naturdenkmal eine Besonderheit nicht nur für den Schönbuch, sondern für die ganze Region Stuttgart. Drei Voraussetzungen müssen vorhanden sein, damit sich ein Plateaumoor bildet: eine ebene Fläche, ein wasserundurchlässiger Boden und reichlich Niederschläge. Die ebene Fläche ist auf dem Gipfel des Brombergs, der höchsten Erhebung im Schönbuch, gegeben. Der wasserundurchlässige Boden wird aus Rhätsandstein gebildet, der auf natürliche Weise verkittet worden ist. Und reichlich Niederschläge gibt es nicht nur auf dem Bromberg, sondern im ganzen Schönbuch wie auch in der gesamten Region Stuttgart.

Der Schönbuch ist ein Waldgebirge zwischen der Region Stuttgart und der Region Neckar-Alb (Tübingen). Ein Teil des Schönbuchs wurde in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Naturpark des Landes Baden-Württemberg erklärt. In diesem Blog kann es nur um denjenigen Teil des Naturparks Schönbuchs gehen, der sich innerhalb der Region Stuttgart befindet. Inzwischen gibt es in diesem Blog auch das neue Label "Naturpark Schönbuch". Damit ist es möglich, gezielt nach Wegen im Naturpark Schönbuch zu suchen. Die Region Stuttgart hat auch noch Anteil an zwei weiteren Naturparks, dem Naturpark Stromberg-Heuchelberg und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Sobald es in diesem Blog Posts zu Wegen in diesen Naturparks gibt, wird es auch die entsprechenden Labels geben.

Das flächenhafte Naturdenkmal (FND) Feuchtbiotop Birkensee ist 2,3 Hektar groß. Es wurde im Jahr 1955 ausgewiesen (Neuverordnung 1993)
Der Birkensee selbst ist nur wenige Quadratmeter groß (hier in gefrorenem Zustand an einem sonnigen Wintertag). 
Eine Informationstafel beim Naturdenkmal klärt über dessen Entstehung auf. Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich in der Sohle eines Steinbruchs im Rhätsandstein natürliche Verkittungen ergeben. Dadurch wurde die Sohle wasserundurchlässig. Es bildete sich ein See, der früher wesentlich größer war als heute.   
In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts führten Entwässerungsgräben zur teilweisen Austrocknung des Feuchtgebiets. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann man mit Renaturierungsmaßnahmen. Zunächst wurden Aufschüttungen vorgenommen und der verbliebene See ausgebaggert. In den achziger Jahren wurden die noch vorhandenen Entwässerungsgräben verschlossen. Damit begannen die Wiedervernässung des Gebiets und die Ausdehnung der Feuchtgebietsfläche. Die mit den Wurzeln in der Staunässe stehenden Bäume sterben langsam ab. Windwurf fördert die Bildung einer moorigen, teilweise baumfreien Fläche.  
Im Bereich südlich des Birkensees kann man das Feuchtgebiet inzwischen auf einem Bohlenweg trockenen Fußes durchqueren. Nördlich des Sees gibt es zur Zeit nur einen bisweilen nassen Pfad.
Das Feuchtbiotop Birkensee im Schönbuch wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln und sich dabei wohl weiter vergrößern.

Der nächstgelegene Ausgangspunkt für das Naturdenkmal Birkensee ist ein Wald- und Wanderparkplatz südlich von Holzgerlingen. Der Parkplatz wird von der Bundesstraße B 464 erreicht. Von der Autobahn A 81 fährt man an der Anschlussstelle Böblingen Hulb auf die B 464 in Richtung Holzgerlingen ab. Man fährt auf der B 464 an Holzgerlingen vorbei und dann auch noch am Schaichhof vorbei. Dahinter tritt die Straße in den Wald ein. Beim ersten Wanderparkplatzschild nach Waldeintritt biegt man scharf nach rechts auf einen asphaltierten Weg ab und folgt ihm auf 1,2 Kilometern durch den Wald bis zum zweiten Parkplatz.

Vom Parkplatz ist der Birkensee mit 2,5 Kilometer ausgeschildert. Nur wenige hundert Meter ab Parkplatz kommt man zum Schönbuchgatter, das man öffnen kann und hinter sich wieder schließen muss. Innerhalb des Gatters befindet sich einer von nur drei Rotwildbezirken in BW. 

Bei der folgenden Weggabelung nimmt man den rechten Ast. Der Forstweg steigt nun etwas stärker auf die Hochfläche des Brombergs an und biegt auf der Hochfläche nach rechts ab. Später - kurz vor dem Ziel - heißt es dann aufpassen. Nach links zweigt der Pfad ab, der in 100 Metern zum Birkensee führt (Beschilderung).

Der Rückweg ist wie der Hinweg. Man geht auf guten Forstwegen, nur die letzten hundert Meter zum Birkensee sind oft matschig (gutes Schuhwerk erforderlich). Die Koordinaten des Birkensees sind: 48 59 37 N / 9 01 41 E    

1 Kommentar:

  1. Sehr schoene Aufnahmen, das Licht ist wunderbar. Ich bin ueber die Google-Suche "Waldebene-Ost" hier auf diesem Blog gelandet, und freue mich jetzt, teils bekannte, teils unbekannte Orte so liebevoll praesentiert wiederzusehen.

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