Montag, 5. September 2011

Durch die Kernzone Lange Steige im Biosphärengebiet Schwäbische Alb


Wildnis in der dicht besiedelten Region Stuttgart - das bietet seit wenigen Jahren das neue Unesco-Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Ein wichtiger Bestandteil eines jeden Biosphärengebiets sind die Kernzonen, die nach den Vorgaben der Unesco mindestens drei Prozent der Fläche das Biosphärengebiets abdecken müssen. In den Kernzonen soll jede Beeinflussung durch den Menschen unterbleiben. In diesen Gebieten hat nur die Natur das Sagen. Diese Gebiete entwickeln sich nach und nach zur Wildnis.

Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb wurde eine Variante gewählt, die nicht eine einzige zusammenhängende Kernzone, sondern viele kleinere über das Biosphärengebiet verstreute Kernzonen vorsieht. Die Kernzonen darf man nur auf den Wegen betreten, die in einer Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums Tübingen explizit aufgelistet sind. (das RP Tübingen ist für das Biosphärengebiet federführend zuständig, auch für die im Landkreis Esslingen liegenden Teile).

Eine der fast 30 Kernzonen des Biosphärengebiets heißt Donntal - Lange Steige. Diese 105,6 Hektar große Kernzone befindet sich im hintersten Lenninger Tal beim Lenninger Teilort Schlattstall. Sie erstreckt sich über den gesamten Albtrauf hinweg vom Talgrund bis hinauf zur Albhochfläche.

Der aktuelle Grund für die Wahl des heutigen Wegs ist die erst im Mai 2011 erfolgte Wiederherstellung des einzigen zulässigen Wegs durch das Tal Lange Steige. Das hat der Schwäbische Albverein in freiwilliger Arbeit getan. Aber die Sache hat auch einen ernsten Hintergrund. Wäre der Weg nicht wiederhergestellt worden, hätte das Regierungspräsidium möglicherweise in den kommenden Jahren die Erlaubnis zum Begehen der Langen Steige zurückgezogen. 

Vor dem Mai 2011 musste man sich buchstäblich über Stock und Stein schlagen, wenn man das langgestreckte Tal der Langen Steige begehen wollte. Denn der Weg war ziemlich zugewachsen. Das ist jetzt einfacher geworden. Ein Promenadenweg ist trotzdem nicht vorhanden. Wanderschuhe mit rutschfesten Schuhen sind erforderlich. Teile des Wegs sind zudem extrem matschig. Wer gleich anschließend an die Wanderung zum Beispiel ins Theater will. sollte sich auf jeden Fall Ersatzschuhe mitnehmen.

Mit dem Auto fährt man von der Anschlussstelle Kirchheim/Teck der A8 über die B 465 in Richtung Süden ins Lenninger Tal. Einige Kilometer südlich des Lenninger Teilorts Oberlenningen zweigt ein Sträßchen nach rechts ab zum Lenninger Teilort Schlattstall. In dem sehr kleinen Ort biegt man bei der ersten Gelegenheit nach links ab und fährt bis zum Ende der Bebauung auf einen ausgeschilderten Wanderparkplatz. Hier befindet man sich bereits im Tal Lange Steige. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise etwas langwieriger. Man fährt mit der S1 bis Kirchheim/Teck, dann mit der Teckbahn bis Oberlenningen (Achtung: die Teckbahn zur Zeit noch wegen umfangreicher Bauarbeiten gesperrt, Busersatzverkehr). In Oberlenningen fährt man mit dem Bus weiter nach Schlattstall (Fahrplan auf www.vvs.de).

Die Orientierung im Wegverlauf ist denkbar einfach. Man geht im Talgrund bzw. wenige Meter oberhalb des Talgrunds im Tal Lange Steige stets aufwärts bis man auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb kommt.

Am Beginn der Langen Steige: mit Felsen durchsetzte Hang- und Schluchtwälder sind ein Charakteristikum des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
natürliche Hangwälder mit Totholzanteilen im unteren Bereich der Langen Steige
Geröllhalden mit den sie besiedelnden Pflanzen- und Tierarten sind ein ganz besonderes Biotop.
Im mittleren Teil der Langen Steige geht es durch eine enge, wilde Schlucht.
Der sanierte und freigeräumte Weg durch die Lange Steige verläuft auf einem Teilstück links (östlich) oberhalb der Schlucht. Der alte direkte Weg durch die Schlucht ist nicht mehr vorhanden.
Waldwildnis in der Schlucht der Langen Steige: kein Motorgeräusch dringt bis hierher vor, Handyempfang ist nicht möglich.
Im oberen Teil der Langen Steige hat die Natur von einem ehemals breiten Holzabfuhrweg bereits wieder Besitz ergriffen. Freigehalten wird nur noch ein Pfad.
Am oberen Ende der Langen Steige auf der Albhochfläche wurden eine Bank errichtet sowie eine kleine Fläche mit Kies befestigt. Der Einstieg in den Weg durch die Lange Steige ist von der Albhochfläche aus beschildert worden. Man würde möglicherweise sonst den Pfad gar nicht finden. Die Biosphärengebietsverwaltung plant zudem, alle Kernzonen zu beschildern. Dieses Vorhaben wird sich - möglicherweise auch wegen Geldmangels - noch etwas hinziehen.
Am Ende der Langen Steige erreicht man die Albhochfläche und befindet sich in einer anderen Welt, Wiesen, gepflegte Äcker, asphaltierte Wege, auf denen sich an den Wochenenden Spaziergänger bewegen.

Der Weg durch die Lange Steige ist drei Kilometer lang (einfache Richtung), der Höhenunterschied ist 270 Meter. 

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