Freitag, 23. Mai 2014

Naturschutzgebiete Wernauer Baggerseen und Neckarwasen bei Wernau

Die beiden Naturschutzgebiete Wernauer Baggerseen und Neckarwasen grenzen unmittelbar aneinander. Sie befinden sich im Neckartal zwischen Wernau/Köngen und Wendlingen.

Das Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen ist 32,1 Hektar groß. Es wurde im Jahr 1981 verordnet. Das Naturschutzgebiet Neckarwasen mit einer Größe von 13,3 Hektar wurde im Jahr 1992 verordnet. Es stellt quasi eine Erweiterung des Naturschutzgebiets Wernauer Baggerseen dar.


Die beiden Naturschutzgebiete schützen keine Urlandschaft. Hier findet sich Natur aus zweiter Hand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier großflächig nach Kies gegraben. Es entstand eine Seenplatte. Später hat man Teile der Seen mit Abraum und Schutt wieder zugeschüttet. Um einige der Seen zu erhalten, gab es schließlich die inzwischen erfolgreichen Bestrebungen, dort ein Naturschutzgebiet einzurichten.

Obwohl die heute in den beiden Naturschutzgebieten noch anzutreffenden Seen vom Menschen gemacht sind, ist das feuchte Element mit Auen und Seen im Neckartal durchaus natürlich. Leider hat man in den vergangenen Jahrhunderten praktisch alle natürlichen Seen im Neckartal trockengelegt. Die beiden Naturschutzgebiete bringen also den natürlichen Zustand des Neckartals wenigstens in einem kleinen Teil zurück, auch wenn die durchaus bereits wilde Landschaft dort ursprünglich vom Menschen angelegt worden ist.

Im Naturschutzgebiet spürt man allerdings auf Schritt und Tritt die Nähe des Ballungsraums Stuttgart. Der Lärm der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 313 ist allgegenwärtig, eine Hochspannungstrasse quert das Gebiet und es grenzt ein Auto-Testgelände direkt an das Gebiet an, wobei eine Stichstraße sogar in das Naturschutzgebiet hineinführt.

Wenn man sich heute über diese Beeinträchtigungen beklagt, muss man allerdings berücksichtigen, dass vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten das Gebiet noch wesentlich naturferner aussah und man in kleinen Schritten versucht, die Situation zu verbessern. Seit der Erstausweisung des Naturschutzgebiets hat sich Einiges getan. So wurden die Hochspannungsleitungen höhergelegt, damit sich dort die Großvögel nicht mehr verfangen. Im Neckar wurde ein toter Seitenarm reaktiviert. Und man hat die alte B 313 zurückgebaut.

Was das Auto-Testgelände betrifft, wartet man immer noch darauf, dass es irgendwann woandershin verlegt wird. Ich vermute, dass vielleicht nach der Fertigstellung des neuen großen Prüf- und Technologiezentrums von Daimler in Immendingen das heutige Testgelände im Neckartal dorthin verlegt wird. Dann kann das Naturschutzgebiet erneut vergrößert werden.

Wie kommt man hin?
Am schnellsten und einfachsten erreicht man die beiden Naturschutzgebiete vom S-Bahnhaltepunkt Wernau aus (S1 in Richtung Kirchheim/Teck). Vom Bahnhof Wernau folgt man dem Bahnkörper der Eisenbahn wenige Meter in Richtung Wendlingen. Dann überquert man den Neckar auf einem Fußgängersteg. Nun folgt man dem Neckar entlang des orographisch linken Ufers flussaufwärts und kommt nach ca. 900 Metern ab dem Bahnhof zum Auto-Testgelände (auf der rechten Wegseite). 

In den Naturschutzgebieten Wernauer Baggerseen und Neckarwasen unterwegs
Gleich darauf beginnt das Naturschutzgebiet. Man bleibt immer auf dem geradeausführenden Weg in der Nähe des Neckars und hat hierbei gute Blicke auf die Seen des Naturschutzgebiets. Der Übergang vom einen zum anderen Naturschutzgebiet ist nicht so recht sichtbar. Entlang des Wegs hat man einen Naturlehrpfad eingerichtet mit 19 Informationstafeln. Nach ca. 2,3 Kilometer ab dem Bahnhof Wernau ist man am Ende der Naturschutzgebiete angekommen. Von hier geht man am Besten auf demselben Weg zurück zum Bahnhof Wernau.            

Hier gibt es eine Übersicht über die Naturschutzgebiete im Landkreis Esslingen. Von dort werden alle Artikel in diesem Blog, die sich mit einzelnen Naturschutzgebieten im Landkreis Esslingen beschäftigen, verlinkt.

Beim Bahnhof Wernau führt eine geschwungene Fußgängerbrücke über den Neckar in Richtung Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen.
Eine Auto-Teststraße mitten im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen: Das bleibt hoffentlich nicht auf Dauer so bestehen.
Entlang des Wegs zwischen dem Neckar und den Seen hat man einen Naturlehrpfad mit 19 Informationstafeln angelegt.
Am Neckar wurde ein toter Seitenarm (genannt Erblehensee) wieder an den Fluss angeschlossen. Hier sieht man die Mündung dieses Seitenarms in den Neckar.
Auf dem Bild sieht man die Abzweigung des renaturierten Neckar-Seitenarms aus dem Neckar im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen.
Blick auf den "Großen See" im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen
Schilfflächen und Hochspannungsleitung im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen
Ein Teil des Naturschutzgebiets Wernauer Baggerseen wird inzwischen beweidet, um die Landschaft offenzuhalten. Das Offenhalten der Landschaft hätte früher, als der Neckar noch frei fließen konnte, die Natur selbst besorgt.
Ruderalflora im Naturschutzgebiet Neckarwasen auf der Betonfläche eines früheren Industriebetriebs
Feuchtwiesen im Naturschutzgebiet Neckarwasen

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