Dienstag, 3. Februar 2015

Zu den Resten der Stuttgarter Stadtmauer

Seit Anfang 2015 ist das größte noch vorhandene Reststück der ehemaligen Stuttgarter Stadtmauer wieder zugänglich, nachdem der Zugang über zwei Jahre lang wegen der Bauarbeiten für den Gebäudekomplex Gerber gesperrt war. Das wollen wir hier in diesem Blog zum Anlass nehmen, auf einem kleinen Spaziergang die wenigen bescheidenen, noch sichtbaren Reste der früheren Stuttgarter Stadtmauer zu besuchen.

Aktualisierung vom 13.02.2015: Mit Stand 13.02.2015 ist der Zugang zum längsten noch erhaltenen Stück der Stuttgarter Stadtmauer beim Gebäudekomplex Gerber wieder geschlossen. Ob dies auf Dauer so bleibt, ist unklar.

Im wesentlichen findet man heute noch an fünf Stellen Reste der ehemaligen Stuttgarter Stadtmauer. An zwei dieser Stellen haben Reste der originalen Stadtmauer bis heute überdauert. An drei weiteren Stellen hat man Fragmente der Stadtmauer wiederaufgebaut.


Wie kommt man hin?
Zum Startpunkt des kleinen Stadtmauer-Spaziergangs in Stuttgart kann man mit der Stadtbahn (U-Haltestelle Rotebühlplatz) oder mit der S-Bahn (Haltepunkt Stadtmitte) fahren. Man geht an die Oberfläche und zum Beginn der Marienstraße.

Beim Endpunkt Charlottenplatz befindet sich ebenfalls eine U-Haltestelle der Stadtbahn.

Zu den Resten der Stuttgarter Stadtmauer unterwegs
Man geht die Marienstraße entlang (Fußgängerzone) bis zur Kreuzung Marien-/Sophienstraße. Dort biegt man nach links in die Sophienstraße ab. Jetzt heißt es aufpassen. Ca. 80 Meter ab der Kreuzung Marien-/Sophienstraße führen nach rechts Treppen unter einem Gebäude hindurch und hinauf zu einer Art Innenhof mit dem größten noch erhaltenen Rest der Stuttgarter Stadtmauer.


Dieser Aufgang war wegen des Großprojekts Gerber mehrere Jahre lang geschlossen und ist Anfang 2015 wiedereröffnet worden. Allerdings sehen mit Stand Anfang 2015 einige Dinge noch relativ provisorisch aus. So sind einige Treppenstufen noch provisorisch aus Holz. Das ehemalige Stahltor auf der Treppe hat man relativ provisorisch abgeflext. Zudem startete Anfang 2015 gleich neben dem Aufgang eine neue Großbaustelle, das Büro- und Wohngebäude Sophie. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass der Aufgang zum größten Stadtmauerrest Stuttgarts in den kommenden Monaten noch einmal vorübergehend geschlossen wird.


Aktualisierung vom 13.02.2015: Mit Stand 13.02.2015 ist der Zugang zum längsten noch erhaltenen Stück der Stuttgarter Stadtmauer beim Gebäudekomplex Gerber wieder geschlossen. Ob dies auf Dauer so bleibt, ist unklar.

Nach dem Betrachten dieses Stadtmauerrests sowie der neuen städtebaulichen Umgebung mit dem Großprojekt Gerber geht man wieder zurück zur Sophienstraße. Jetzt heißt es erneut aufpassen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Sophienstraße sieht man einen Straßendurchlass unter einem Gebäude. Das ist die Krumme Straße, der man jetzt folgt. Nach nur ca. 60 Metern in der Krumme Straße sieht man auf der linken Straßenseite hinter einem aufgeständerten Gebäude den zweiten noch vorhandenen Rest der Stuttgarter Stadtmauer.

Man folgt nun der Krummen Straße weiter bis zur Kreuzung mit der Tübinger Straße. Dort biegt man nach links in die Tübinger Straße ab. Am Ende der Tübinger Straße biegt man nach rechts in die Eberhardstraße ab und geht an der nächsten Kreuzung geradeaus weiter in die Torstraße. Am Ende der Torstraße unmittelbar vor dem verkehrsreichen Wilhelmsplatz sieht man einen wiederaufgebauten Stadtmauerrest, einen Halbturm, der früher mal in der Mitte der heutigen Torstraße stand.

Nun überquert man den Wilhelmsplatz und geht wenige Meter aufwärts bis zum Beginn der Wilhelmstraße. Dort biegt man nach links in die Katharinenstraße ab. Diese Straße wurde einst unmittelbar vor der Stadtmauer angelegt. Man biegt nach links in die Pfarrstraße ab. Nach nur ganz wenigen Metern biegt man bereits nach rechts in die schmale Weberstraße ab. Nach weiteren wenigen Metern kommt man zum Schellenturm. Dieser Rest der Stuttgarter Stadtmauer wurde ebenfalls wiederaufgebaut.

Man folgt der Weberstraße weiter bis zur Kreuzung mit der Rosenstraße. An einer Ecke dieser Kreuzung steht ein Haus mit Mansarddach. An der der Kreuzung gegenüberliegenden, rückwärtsgerichteten Ecke dieses Hauses hat man ebenfalls ein kleines Stück Stadtmauer wiederaufgebaut. Dieses Stückchen Stadtmauer sieht man am besten, wenn man im Verlauf der Rosenstraße am Gebäude entlanggeht und dann in den Hinterhof hineingeht.

Nun folgt man der Rosenstraße in Richtung Nordwesten leicht abwärtsgehend bis zu ihrem Ende bei der Esslinger Straße, biegt nach rechts ab und kommt zur U-Haltestelle Charlottenplatz.

Die Länge des kleinen Spaziergangs vom Beginn der Marienstraße bis zur U-Haltestelle Charlottenplatz ist ca. 1,6 Kilometer.        

Siehe auch:
Zu den sechs historischen Torhäusern in Ludwigsburg im Post vom 16.01.2015 in diesem Blog
Entlang der Stadtbefestigung von Weil der Stadt im Post vom 12.12.2013
Stadttore und Türme in Esslingen im Post vom 28.05.2013 

Kommentar vom 13.02.2015
Sollte der Zugang zum längsten noch erhaltenen Rest der Stuttgarter Stadtmauer auf Dauer gesperrt bleiben, wäre dies ein Offenbarungseid der Stuttgarter Stadtplanung.

Vor dem Bau des Gebäudekomplexes Gerber war das längste noch erhaltene Stück der Stuttgarter Stadtmauer stets öffentlich zugänglich. Es gab vor und während des Baus des Gerbers Versprechungen, dass nach Bauende der Stadtmauerrest wieder öffentlich zugänglich sein wird.

Es wäre ein Armutszeugnis ohnegleichen, wenn die an historischen Bauwerken ohnehin nicht reiche Stadt Stuttgart nun auch noch ihr längstes erhaltenes Stadtmauerstück privatisiert hätte und der Öffentlichkeit vorenthalten würde. Das Einkaufszentrum Gerber hat bereits negative Auswirkungen auf den Stuttgarter Straßenraum. Die Gebäudefronten entlang der Marienstraße, entlang der Sophienstraße und entlang der Tübinger Straße sind bereits zu toten Zonen verkommen, weil sich alle Läden im Gerber nicht nach außen zum Straßenraum hin zeigen, sondern nach innen gestülpt sind. Mit der Privatisierung der Stuttgarter Stadtmauer würde dieser negativen Entwicklung die Krone aufgesetzt.  

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Mitte. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Mitte befassen, verlinkt.


Der Stadtmauerrest neben der Sophienstraße zwischen dem neuen Gebäudekomplex Gerber und dem ab Januar 2015 im Bau befindlichen Büro- und Wohngebäude Sophie ist mit 25 Metern Länge und bis zu 5 Metern Höhe das größte erhaltene Stück der ehemaligen Stuttgarter Stadtmauer. Seit dem 13.02.2015 ist dieser Stadtmauerrest nicht mehr öffentlich zugänglich.
Die Stadtmauer bei der heutigen Sophienstraße wurde ca. 1560 erbaut. Sie war später eine Gartenmauer zwischen zwei Grundstücken und hat so bis in die heutige Zeit überdauert.
Wie durch ein Wunder haben die umfangreichen Bauarbeiten für den Gebäudekomplex Gerber dem Stadtmauerrest bei der Sophienstraße nichts anhaben können. Das Gerber wurde einfach um den Stadtmauerrest herumgebaut. Das Gebäude rechts im Bild, durch das der Zugang zum Stadtmauerrest führt, wurde im Rahmen der Bauarbeiten für das Gerber nicht angetastet. Im Vordergrund rechts sieht man die große Baugrube für das Büro- und Wohngebäude Sophie, das im Januar 2015 in Bau gegangen ist. 
Schießscharte im Stadtmauerrest bei der Sophienstraße in Stuttgart
Stadtmauerrest in der Krummen Straße in Stuttgart: Man sieht zwei Schießscharten. Der Standort des Betrachters ist außerhalb der ehemaligen Stadtmauer im ehemaligen Befestigungsgraben. Dieser Stadtmauerrest in der Krummen Straße liegt in einer Geraden mit dem Stadtmauerrest bei der Sophienstraße und wurde ebenfalls im 16. Jahrhundert erbaut.
Wiederaufgebauter Stadtmauerrest (Halbturm) aus dem 16. Jahrhundert am Rand der Torstraße beim Wilhelmsplatz in Stuttgart: Dieser Turmrest war ursprünglich in der Mitte der heutigen Torstraße platziert. Beim Bau des Stadtbahntunnels unter der Torstraße Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hat man den Turmrest abgetragen und eingelagert. Im Jahr 1989 wurde der Turmrest mit einem integrierten Brunnen am Rand der verbreiterten Torstraße wiederaufgebaut.
Der Schellenturm am Rand des Bohnenviertels wurde im Jahr 1980 wiederaufgebaut. Heute befindet sich dort ein Weinlokal. Der ursprüngliche Turm wurde im Jahr 1564 errichtet. Den Namen Schellenturm gibt es seit 1811. 
Gebäude mit Mansarddach aus dem 17. Jahrhundert im Bohnenviertel an der Kreuzung Weber-/Rosenstraße: Bei dem der Kreuzung gegenüberliegenden Hauseck hat man bei der Renovierung dieses Gebäudes ein ganz kleines Stück der Stadtmauer rekonstuiert.
Ein kleines Stück rekonstruierte Stadtmauer auf der Rückseite des Eckgebäudes an der Kreuzung Weber-/Rosenstraße im Bohnenviertel

1 Kommentar:

  1. Zitat"Im Jahr 1989 wurde der Turmrest mit einem integrierten Brunnen am Rand der verbreiterten Torstraße wiederaufgebaut."
    Es ist echt schade, dass nicht mal eine Info-Tafel dort angebracht ist. keiner weiß was es mit dem Brunnen dort auf sich hat.
    Echt schade. Da sollte die Stadt Stuttgart schon mal eine Tafel anbringen, dass die Menschheit auch erfährt dass das ein Stück Stadtgeschichte ist und nicht irgend ein Brunnen.

    AntwortenLöschen