Mittwoch, 14. September 2016

Zur neuen UNESCO-Weltkulturerbestätte "Le Corbusier" in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung

Das Welterbekomitee der Unesco hat bei seiner 40. Sitzung vom 10. bis 20. Juli 2016 in Istanbul zwei Gebäude des Architekten Le Corbusier in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung als Welterbestätte anerkannt. Dies ist die erste Unesco-Welterbestätte in Stuttgart und die zweite in der Region Stuttgart (Unesco-Welterbestätte Limes). 

Die neue Unesco-Welterbestätte Le Corbuiser ist eine sogenannte serielle Welterbestätte. Sie umfasst 17 Gebäude von Le Corbusier in sieben Staaten. Die Gesamtfläche der Welterbestätte ist 98,4838 Hektar groß. Die Fläche des Stuttgarter Teils der Welterbestätte ist 0,1165 Hektar groß. Diese Fläche umfasst nicht, wie fälschlicherweise auch gemeldet wurde, die gesamte Weißenhofsiedlung in Stuttgart, sondern nur die beiden Corbusier-Häuser in der Siedlung, die benachbart zueinander sind. 

Das eine der beiden Corbusier-Häuser hat die Adresse Bruckmannweg 2. Der Haustyp ist "Haus Citrohan". Das Haus ist heute noch bewohnt. Das andere der beiden Häuser hat die Adresse Rathenaustraße 1-3. Es ist ein Doppelhaus. In diesem Haus befindet sich heute das Weißenhofmuseum. Beide Häuser wurden in der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts fertiggestellt.  

Praktisch gar nicht thematisiert in den Meldungen der vergangenen Wochen und Monate wurde die Pufferzone der Unesco-Welterbestätte. Das ist jedoch ein Thema gerade für diesen Blog "Wege in der Region Stuttgart". Die Unesco setzt für fast alle Weltnatur- und Weltkulturerbestätten sogenannte Pufferzonen fest (Buffer zones). Die Pufferzonen erstrecken sich meist rund um die eigentliche Welterbestätte. Sie haben die Aufgabe, Veränderungen in der Umgebung der Welterbestätte zu unterbinden, die schädlich für die Welterbestätte sein können. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Blick von außen auf die Welterbestätte nicht beeinträchtigt werden darf, ebenso der Blick von der Welterbestätte nach außen.


Die Pufferzonen aller Teilgebiete der neuen Unesco-Welterbestätte Le Corbusier ist 1.409,384 Hektar groß. Die Pufferzone der neuen Stuttgarter Welterbestätte ist 33,6213 Hektar groß. Sie erstreckt sich ungefähr auf das folgende Gebiet:
  • Wohnsiedlung Landenbergerstraße, Kappisweg, Maliweg, Saumweg, Viergiebelweg, Robert-Haug-Weg
  • Grünanlage bei der Mühlbachhofschule
  • Gebiet von Birkenwaldstraße und Robert-Mayer-Straße westlich des Gebäudes der Werner-Siemens-Schule
  • Weißenhofsiedlung, Akademie der Bildenden Künste, Augustinum
  • Straße Auf der Kanzel
  • Freiflächen beidseits der Friedrich-Ebert-Straße
  • Wohnanlage Am Weißenhof und Friedrich-Ebert-Wohnhof

Die Landeshauptstadt Stuttgart muss bei städtebaulichen Planungen innerhalb der Pufferzone der Welterbestätte die Vorgaben der Unesco beachten. Zudem sollte bei geplanten baulichen Änderungen jeweils vorab die Unesco beteiligt werden. Damit kann man vermeiden, dass der Welterbetitel irgendwann einmal öffentlichkeitswirksam wieder aberkannt wird, wie das zum Beispiel beim Dresdner Elbtal der Fall war.

Wie kommt man hin?
Mit der Buslinie 44 fährt man vom Hauptbahnhof in Richtung Killesberg bis zur Haltestelle Kunstakademie. Bei der Haltestelle folgt man der Friedrich-Ebert-Straße abwärts. Nach ca. 150 Metern kommt man zur Abzweigung der Rathenaustraße. Hier befindet sich das Weißenhofmuseum, das in einem der beiden Corbusier-Häuser untergebracht ist. Das zweite Corbusier-Haus befindet sich bergseits benachbart zum Museum. Wenige Meter oberhalb der Einmündung der Rathenaustraße führt eine Treppe von der Friedrich-Ebert-Straße weg, die zum Bruckmannweg führt. Vom oberen Ende der Treppe sieht man das Corbusier-Haus mit der Adresse Bruckmannweg 2. 

Man kann mit einem Stadtplan auch noch eine Runde durch die Pufferzone der Welterbestätte drehen. Auf jeden Fall sollte man durch die Grünanlage zwischen Rathenaustraße und Friedrich-Ebert-Straße bis zum Friedrich-Ebert-Wohnhof gehen.         

Hier gibt es eine Übersicht über den Stadtbezirk Stuttgart-Nord. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit dem Stadtbezirk Stuttgart-Nord befassen, verlinkt.

Im Haus "Le Corbusier" ist seit dem Jahr 2006 das Weißenhofmuseum untergebracht.
Die Häuser der Weißenhofsiedlung wurden mit dem Ziel der Standardisierung erbaut. Dieses Corbusier-Haus in der Rathenaustraße 1-3 ist ein Doppelhaus.
Das Corbusier-Haus vom Typ Citrohan im Bruckmannweg 2 wird nach wie vor bewohnt.
Blick von der Friedrich-Ebert-Straße über eine Grünanlage hinweg zum Corbusier-Haus in der Rathenaustraße: Die Grünanlage gehört zur Pufferzone der Welterbestätte.
Blick von der Friedrich-Ebert-Straße über eine Grünanlage hinweg auf den Friedrich-Ebert-Wohnhof: Die hier sichtbaren Gebäude und Flächen befinden sich innerhalb der Pufferzone der Unesco-Welterbestätte.
In der Pufferzone der Unesco-Welterbestätte Le Corbusier, Teilgebiet Häuser der Weißenhof-Siedlung
Blick von der Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Süden: Die hier sichtbare Grünfläche befindet sich innerhalb der Pufferzone der Unesco-Welterbestätte.

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