Dienstag, 26. Mai 2015

Baudenkmal Hammerkanalbrücke in Esslingen am Neckar

Das Landesamt für Denkmalpflege hat in der Ausgabe 1/2015 seiner Zeitschrift "Denkmalpflege in Baden-Württemberg - Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege" der Hammerkanalbrücke in Esslingen am Neckar einen großen Artikel gewidmet (Verfasserin Dipl.-Ing. Karen Veielmann M.A.).

Das nehmen wir hier in diesem Blog zum Anlass, der Hammerkanalbrücke zwischen der Esslinger Innenstadt und der Oststadt einen Besuch abzustatten. Die Hammerkanalbrücke führt die Neckarstraße über den Hammerkanal, einen Seitenarm des Neckars. Die Brücke wurde 1896 erstellt. Sie weist gemäß den Angaben des Landesdenkmalsamts einige für die Bauzeit äußerst fortschrittliche Merkmale auf. Die Brücke wurde inzwischen in das Denkmalverzeichnis der Stadt Esslingen als technisches Kulturdenkmal aufgenommen.


Zu den für die Erbauungszeit neuen Merkmalen der Brücke gehören die Zurschaustellung des Baumaterials Beton, die Ausführung als Dreigelenkbogen sowie die Ermöglichung der Rotation des Bogens durch Bleiplatteneinlagen. Die Spannweite der Brücke beträgt 19 Meter. Die Brückenbreite ist 14 Meter. Heute verläuft sogar eine O-Bus-Strecke über die Brücke. Die sogenannte Pfeilhöhe der Brücke beträgt 1,8 Meter (Pfeilhöhe ist der vertikale Abstand zwischen dem höchsten Punkt des Brückenbogens und dem seitlichen Bogenende). Die Pfeilhöhe war einerseits durch die Lage der Straßenoberfläche der Neckarstraße, andererseits durch die lichte Durchfahrtshöhe für die Flößerei im Hammerkanal bestimmt.

Die Stampfbetonbrücke verfügt über drei Gelenke. Das Gelenk am Scheitelpunkt des Bogens ist gut zu sehen, allerdings nur auf der Nordseite der Brücke. Auf der Südseite ist leider ein Kabelkanal direkt vor das Gelenk gelegt worden. Es handelt sich hier um permanente Gelenke aus Bleiplatten - im Gegensatz zu Gelenken, die nur die Verformungen während der Bauzeit einer Brücke aufnehmen sollten und anschließend vergossen wurden. Die Gelenke ermöglichten es, die Maße des Bauwerks relativ klein zu halten. Ohne Gelenke hätte der Brückenbogen wesentlich dicker gebaut werden müssen. Denn dann hätte er auch die Kräfte voll aufnehmen müssen, die jetzt über die Gelenke und die damit zusammenhängende Verformungsmöglichkeit abgeleitet werden.

Wie kommt man hin?
Vom Bahnhof in Esslingen am Neckar führt die Neckarstraße in Richtung Ostsüdosten parallel zur Bahnstrecke und knickt kurz nach dem Pliensausteg nach halblinks ab. Nach einigen hundert Metern überquert die Neckarstraße den Hammerkanal. Man kann auf beiden Seiten der Brücke entlang des Hammerkanals gehen und somit die Brücke von der Seite sehen. Das Brückengelenk ist nur auf der nach Norden zeigenden Seite zu sehen.
Die Entfernung vom Bahnhof bis zur Hammerkanalbrücke ist ca. 900 Meter.       

Internetseite des Landesamts für Denkmalpflege:
http://www.denkmalpflege-bw.de/

Siehe auch:
Brücken am Hammerkanal und Rossneckarkanal in Esslingen im Post vom 14.07.2011 in diesem Blog

Der Hammerkanal in Esslingen am Neckar mit der Hammerkanalbrücke: Die Hammerkanalbrücke war in der Konstruktion und in der architektonischen Ausbildung ihrer Zeit einen Schritt voraus.
Die Hammerkanalbrücke in Esslingen ist eine Massivbrücke aus dem Material Stampfbeton (ohne Stahleinlagen). Die für die Erbauungszeit der Brücke wesentlichen Innovationen waren das Material Beton, die Gelenke und die für Dreigelenkbogen charakterisitische Bogenverdickung.
Ganz neu bei der Hammerkanalbrücke in Esslingen war die sogenannte Bogenverdickung. Der Brückenbogen ist im Bereich der Schenkel (zwischen dem Scheitelpunkt des Bogens und den Auflagepunkten des Bogens) am dicksten. Diese Form des Bogens war zur Bauzeit äußerst ungewöhnlich. Bei Brückenbogen ohne Gelenke ist der Brückenbogen im Scheitelpunkt und an den Auflagepunkten am dicksten.
Blick auf das Scheitelgelenk der Hammerkanalbrücke (zwischen den beiden Natursteinen): Insgesamt gibt es bei Stampfbetonbrücken drei Gelenke (eines am Scheitelpunkt, die beiden anderen an den sog. Kämpfern, also den seitlichen Auflagepunkten des Brückenbogens). Die Gelenke sollen es dem Brückenbogen ermöglichen, kleine Drehbewegungen auszuführen und damit die Rissebildung im Stampfbeton als Folge von Fundamentsetzungen, von dynamischen Lasten und Temperaturveränderungen zu vermeiden. 
Das Brückengeländer der Hammerkanalbrücke in Esslingen am Neckar dürfte noch aus der Erbauungszeit stammen.

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