Donnerstag, 4. Juli 2013

Albsteig oder Schwäbische Alb-Nordrandweg?


Der Schwäbische Alb-Nordrandweg (bzw. Albsteig) ist der bekannteste und wichtigste Weitwanderweg, der die Region Stuttgart berührt. Als bisher einziger Weitwanderweg in der Region Stuttgart wurde der Schwäbische Alb-Nordrandweg vom Deutschen Wanderverband mit dem Label "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet. Zudem ist der Schwäbische Alb-Nordrandweg Mitglied des exklusiven Klubs der "Top Trails of Germany". Unter diesem Label haben sich die im Gebiet der betroffenen Weitwanderwege gelegenen Tourismusverbände zusammengeschlossen.

Wir wollen in diesem Blog im heutigen Post einige allgemeine Dinge zum Schwäbische Alb-Nordrandweg und zum Spannungsfeld, in dem sich dieser Weg aktuell befindet, streifen. Im folgenden Post in diesem Blog wollen wir dann eine Tagesetappe des Schwäbische Alb-Nordrandwegs wandern, die Etappe von Owen nach Bad Urach (wobei Bad Urach bereits außerhalb der Region Stuttgart liegt).


Fangen wir mal mit der Überschrift zu diesem Post an, hinter der nicht umsonst ein Fragezeichen steht. Es sind zur Zeit nämlich zwei Bezeichungen für diesen Weitwanderweg von Donauwörth nach Tuttlingen entlang des Nordrands der Schwäbischen Alb (dem sogenannten Albtrauf) im Umlauf. 

In Deutschland hält sich der Staat aus der Festlegung und Beschilderung von Wanderwegen heraus - ganz im Gegensatz zu anderen Ländern wie z.B. der Schweiz, den USA oder Spanien. Seit über hundert Jahren ist die Markierung und Beschilderung von Wanderwegen in Deutschland eine Sache der Wandervereine. Im Bereich von Württemberg ist seit vielen Jahren der älteste Wanderverein Deutschlands, der Schwäbische Albverein, tätig. Der Schwäbische Albverein hat den Schwäbische Alb-Nordrandweg festgelegt, ihn markiert und beschildert und ihm seinen Namen gegeben. Weil der Schwäbische Alb-Nordrandweg der erste Weitwanderweg des Schwäbischen Albvereins war, hat der Weg zudem die Bezeichnung Hauptwanderweg 1 (HW 1) erhalten.

Dieser Name freilich ist den Tourismusverantwortlichen der einzelnen Gebietskörperschaften auf der Schwäbischen Alb zu bieder, zu langweilig, zu altmodisch. Die Gemeinden und sonstigen Gebietskörperschaften auf der Schwäbischen Alb haben eben in den letzten Jahren festgestellt, dass der etwas bieder und mit einem hohen Altersdurchschnitt seiner Mitglieder daherkommende Schwäbische Albverein die potenziellen Besucher der Schwäbischen Alb nicht in dem Maße anzieht, wie das gewünscht ist. Die Tourismusverantwortlichen haben sich deshalb entschieden, dass der Schwäbische Alb-Nordrandweg ab jetzt unter dem Namen Albsteig vermarktet werden soll. 

Unter diesem Namen ist der Weg jetzt bei den Top Trails of Germany verzeichnet und zumindest als Zweitnamen ist der Albsteig jetzt auch beim Deutschen Wanderverband registriert. Der Schwäbische Albverein ist mit dem Namen Albsteig alles andere als einverstanden. Das Wort "Steig" bedeutet nach der Auffassung des Schwäbischen Albvereins im Schwäbischen etwas ganz anderes als einen Weitwanderweg. Man kann gespannt sein, wer sich hier langfristig durchsetzen wird.

Probleme gibt es auch bei der Beschilderung des Wegs. Die bisherige Beschilderung des Wegs gefällt den Tourismusverbänden nicht. Und in der Tat ist die Beschilderung der Wanderwege zum Beispiel im Schwarzwald, in der Schweiz oder im Allgäu der Beschilderung im Bereich der Schwäbischen Alb weit voraus. Hier musste der Schwäbische Albverein bereits Zugeständnisse machen. Im Jahr 2012 einigten sich der Schwäbische Albverein und die Tourismusverbände auf eine zukünftige neue, einheitliche Beschilderung der Wanderwege auf der Schwäbischen Alb, die freilich aus Kostengründen nur Zug um Zug umgesetzt werden kann.

Die Beschaffenheit des Schwäbische Alb-Nordrandwegs verdient auch noch eine Anmerkung. Der Weitwanderweg hat zwar das Label Qualitätsweg Wanderbares Deutschland. Das wesentlich strengere Label "Premiumweg" des Deutschen Wanderinstituts e.V. erreicht der Weg jedoch nicht. Dazu verläuft der Weg über allzu viele asphaltierte Strecken und über langweilige Forstwege. Auf der Etappe von Owen nach Bad Urach muss man zum Beispiel auf der Albhochfläche durch den breiig ausgebreiteten Ort Hülben gehen, eine Schlafstadt mit hässlichen Häusern, die sich immer noch weiter ausbreiten. Die Hälfte des Gangs durch Hülben verläuft auch noch entlang der lärmigen, stinkigen Hauptstraße. Und warum der Weg in Bad Urach nicht durch die sehenswerte, verkehrsberuhigte Altstadt zum Bahnhof verläuft, sondern außen herum entlang der stark befahrenen B28, bleibt ein Rätsel. Genauso übrigens, warum vor dem Bahnhof von Bad Urach eine Beschilderung des Wegs fehlt.

Und noch eine letzte Anmerkung. Den langweiligen asphaltierten Strecken stehen im Verlauf des Schwäbische Alb-Nordrandwegs einige Pfadabschnitte gegenüber, auf denen im Sommer der üppige Bewuchs nicht zurückgeschnitten wird. Teilweise muss man sich hier mit dem ganzen Körper durch das Dickicht wühlen. Nun haben wir aber auf der Schwäbischen Alb seit vielen Jahren eine Zeckenplage, wobei ein bestimmter Prozentsatz der Zecken auch noch mit Krankheiten infiziert ist. Auch wenn man den Körper vollständig mit Kleidung bedeckt, so ist doch die Wahrscheinlichkeit groß, nach einer Tagesetappe auf dem Schwäbische Alb-Nordrandweg mit Zecken infiziert zu sein. Von daher müsste man eigentlich von einer Begehung des Wegs zumindest in den Sommermonaten abraten.

www.top-trails-of-germany.de
www.wanderbares-deutschland.de 
albverein.net

Das Zeichen des Schwäbische Alb-Nordrandwegs ist das rote Dreieck. Die Spitze des Dreiecks zeigt in Richtung des Endpunkts Tuttlingen.
In größeren Abständen finden sich diese Schilder im Verlauf des Schwäbische Alb-Nordrandwegs.
Dies ist die alte Beschilderung des Schwäbische Alb-Nordrandwegs an Wegverzeigungen.
Dies ist die neue Beschilderung des Schwäbische Alb-Nordrandwegs. Im Verlauf der Etappe von Owen nach Bad Urach findet man diese Beschilderung aktuell zwischen dem Parkplatz von Hohenneuffen und dem Ort Hülben. Der neue Name Albsteig ist jedoch auch auf diesen Schildern nicht zu finden. Ist dies ein Punktsieg für den Schwäbischen Albverein?
          

Kommentare:

  1. Grüße euch. Ich bin von einem Wanderverein aus dem Sauerland und wollte mal fragen, mit welchem Material ihr eure Wanderwege ausschildert. Wir wollen eine neue Route ausschildern und bräuchten etwas möglichst “unbiegbares”. Habe gehört dass heutzutage Plattendruck auf Aludibond ganz gut geeignet ist.
    Danke und Grüße
    Frank

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  2. Für diese Frage bin ich der denkbar falsche Adressat. Ich führen diesen Blog und bin von irgendwelchen Wandervereinen unabhängig. Im Gegenteil, bei Bedarf kritisiere ich diese Wandervereine.
    Wenden Sie sich am Besten an die Wandervereine selbst. zum Beispiel an den Schwäbische Alb-Verein (albverein.net) oder an den Schwarzwaldverein (www.schwarzwaldverein.de)

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