Donnerstag, 2. Februar 2012

Auf den Spuren von Heinrich Schickardt in Stuttgart (Teil 1)

Mit dem heutigen Post startet ein neues Themenfeld in diesem Blog mit dem Label "Baumeister".  

Wohl zu keiner anderen Zeit war das Unbehagen mit der zeitgenössischen Architektur so groß wie heute. Das gilt für ganz Deutschland. Aber es gilt für Stuttgart in besonderem Maße. Selbst das ganz Wenige an guter Architektur, das die Zerstörungsorgien der vergangenen Jahrzehnte noch übrig gelassen haben, ist jetzt nicht mehr sicher. Das zeigt der skandalöse Abriss des Hauptbahnhof-Südflügels in diesen Tagen.

Dabei sehnen sich die Menschen nach guter Architektur. Das zeigen die Touristenmassen, die durch noch vermeintlich intakte Ort wie Venedig oder irgendein Bergdorf in Mallorca`s Serra de Tramuntana pilgern. In verschiedenen deutschen Städten gibt es Bestrebungen, zerstörte Gebäude wiederaufzubauen, zum Beispiel in Berlin mit dem Stadtschloss oder in Frankfurt/Main, wo gleich eine ganze gotische Häuserzeile wiederaufgebaut werden soll.

Bis es in Stuttgart soweit ist, dass man vom modernen Architektur-Banausentum Abschied nimmt, sehen wir uns in diesem Blog einmal an, was von den Werken der großen Baumeister heute noch übrig ist. Und den Anfang macht Heinrich Schickardt, der Hofbaumeister des württembergischen Herzogs Friedrich I., einer der größten Baumeister der Renaissance, der schwäbische Leonado da Vinci. 

In diesem Post und in einem folgenden Post im März 2012 suchen wir nach Spuren von Heinrich Schickardt in Stuttgart, in den folgenden Monaten spüren wir Heinrich Schickardt dann in den Landkreisen der Region Stuttgart nach.

Der erste Ort der heutigen Spurensuche ist in Stuttgart-Stammheim. Hierzu geht es mit der Stadtbahnlinie U15 bis zur Endstation in Stammheim. Man verlässt die Haltestelle auf der stadteinwärtigen Seite und wendet sich nach links in die Kornwestheimer Straße. Nach ca. 170 Metern befindet sich auf der rechten Straßenseite das Schloss Stammheim.  Das 1579 -1581 erbaute Schloss Stammheim gilt als das erste Werk von Heinrich Schickardt. Er war damals gerade 21 Jahre alt.            
Runder Treppenturm beim Schloss Stammheim: dieses architektonische Element findet sich bei vielen Gebäuden aus der Renaissancezeit.
An der Seite der Stammheimer Straße des heute als Alten- und Pflegeheim genutzten Gebäudes befindet sich eine Tafel, die auf die Kulturstraße Heinrich Schickardt des Europarats hinweist. Diese durch weite Teile Württembergs und einige Teile des Elsaß, die zu Lebzeiten Heinrich Schickardts zu Württemberg gehörten, führende Straße ist ein Indiz für die europäische Bedeutung Heinrich Schickardts.
Blick auf die Stirnseite einer der beiden Seitenflügel des Schlosses Stammheim. Das Sichtfachwerk des Giebels wurde bei einer grundlegenden Gebäudesanierung in den Jahren 1976-78 wieder freigelegt. Dieses Architekturelement findet sich auch bei einigen anderen Gebäuden Heinrich Schickardts. Man bezeichnet es als Württembergischen Heimatstil. 
Nun geht es mit der U15 zurück in die Stuttgarter Innenstadt bis zur U-Haltestelle Schlossplatz. Man geht nun wenige Meter die Königstraße aufwärts in Richtung Wilhelmsbau. Hinter dem Buchaus Wittwer biegt man nach rechts in eine zunächst namenlose Straße ab (Früher hieß diese Straße Kanzleistraße). Man überquert bzw. unterquert dann die Theodor-Heuss-Straße und kommt zum großen Prachtbau des Landesgewerbeamts (links der Straße). Unmittelbar vor diesem Bau befindet sich auf der linken Straßeseite eine Stele, die an das ehemalige Wohnhaus von Heinrich Schickardt erinnert.  
Die Stele wurde zum 450. Geburtstag von Heinrich Schickardt am 12. Februar 2008 aufgestellt. An dieser Stelle stand bis zum Jahr 1944 das ehemalige Wohnhaus von Schickardt. Die Straße hieß bis zum Zweiten Weltkrieg Kanzleistraße. Ein Portalrest des ehemaligen Hauses ist noch erhalten. Er steht jetzt im Städtischen Lapidarium in der Mörikestraße. Das Lapidarium hat nur in den Sommermonaten geöffnet.   
Nun geht es zurück zur Köngistraße. Dort wendet man sich ganz wenige Meter nach links, dann sofort nach rechts, um durch den Tordurchlass im Prinzenbau zum Schillerplatz zu gelangen. Der Schillerplatz gilt als die einzige Platzanlage Stuttgarts, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs fast originalgetreu wiederhergestellt worden ist. Der Schillerplatz war ein Werk Heinrich Schickardts. Herzog Friedrich I. beauftragte Schickardt mit der Anlage des repräsentativen Platzes zwischen dem Alten Schloss (damals gab es das heutige Neue Schloss noch nicht) und der Stiftskirche. Zunächst einmal mussten zahlreiche Häuser der Stuttgarter Altstadt abgerissen werden.
Die zum Schillerplatz zeigende Giebelfront des Fruchtkastens ist ein Meisterwerk Heinrich Schickardts. Im Jahr 1596 errichtete der Baumeister diese Fassade, indem er das Gebäude einer bereits zuvor im Jahr 1578 errichteten Kelter um einige Meter kürzte. Ziel war, die Gebäudeflucht des Chores der benachbarten Stiftskirche aufzunehmen, um gerade Platzbegrenzungen beim Schillerplatz zu schaffen.
Der Prinzenbau befindet sich zwischen dem Fruchtkasten und der Alten Kanzlei. Herzog Friedrich I. beauftragte Schickardt, ein sogenanntes Gesandtenhaus (also ein Hotel für Staatsgäste) zu bauen. In den Jahren von 1604-08 wurden der heute noch vorhandene riesige Gewölbekeller und das erste Stockwerk erbaut. Der Tod Friedrichs I. und der dreißigjährige Krieg ließen jedoch zunächst einmal eine Bauruine zurück. Das Gebäude wurde erst nach dem Tod Schickardts in den Jahren 1663-78 vollendet. Heute residiert hier das Justizministerium des Landes.
Die Alte Kanzlei begrenzt den Schillerplatz auf der Nordostseite. Dieses Gebäude wurde bereits vor der Geburt Schickardts in den Jahren 1542-44 erbaut. Auch hier liegt ein Meisterwerk der Renaissance vor. Die Alte Kanzlei war das Verwaltungszentrum des Herzogtums Württemberg. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Heinrich Schickardt hier ein- und ausging, um seine Baupläne mit den herzoglichen Beamten zu besprechen.
Im März 2012 setzen wir den Spaziergang auf den Spuren von Heinrich Schickardt in Stuttgart fort.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Ludwigsburger Rundwanderweg vom Favoritepark nach Asperg

Es gibt zwei markierte Rundwege in und um Ludwigsburg, den 300-Minuten-Weg und den  Ludwigsburger Rundwanderweg. Der 300-Minuten-Weg führt um und durch die Kernstadt von Ludwigsburg (ein Teilabschnitt ist im Post vom 20.09.2010 beschrieben). Der vom Schwäbischen Albverein eingerichtete Ludwigsburger Rundwanderweg führt mit einem größeren Radius um Ludwigsburg herum. Hierbei lernt man verschiedene Stadtteile, Kulturgüter und Landschaften von Ludwigsburg kennen. Im heutigen Post geht es um den Teilabschnitt des Ludwigsburger Rundwanderwegs vom Favoritepark bis nach Asperg.
Das Markierungszeichen des Ludwigsburger Rundwanderwegs ist ein barock verziertes großes L in grüner Farbe.
Ausgangspunkt der heutigen kleinen Wanderung ist der S-Bahnhaltepunkt Favoritepark der S4. Wenn man aus Richtung Stuttgart / Ludwigsburg beim Haltepunkt Favoritepark ankommt, geht man durch die Unterführung auf die Nordwestseite des Bahnkörpers. Dann folgt man dem Bahnkörper in Richtung Marbach auf einem Fußweg und gelangt nach ca. 250 Metern zur Seeschlossallee. Hier trifft man auf den Ludwigsburger Rundwanderweg. Man folgt der Seeschlossallee nach links. 
Die Seeschlossallee verbindet den Favoritepark mit dem Seeschloss Monrepos.
Die Seeschlossallee führt direkt zum Schloss Monrepos. Man geht nun zum See, der dem Schloss benachbart ist, und dann zwischen Schloss und See hindurch.
Der Bau von Schloss Monrepos wurde 1760 unter Herzog Carl Eugen begonnen, aber erst 1804 unter Herzog Friedrich I. abgeschlossen.  
Hinter dem Schloss wendet man sich nach links und folgt dem nordwestlichen Seeufer.
Der See bei Schloss Monrepos wurde künstlich angelegt und ist Bestandteil der barocken Gesamtanlage.
Der Weg am Seeufer entlang und über Brücken und an Kanälen vorbei ist wohl der schönste Abschnitt der ganzen Wanderung.
Im Monrepos-See befinden sich zwei Inseln, auf denen der Wald ohne Beeinflussung durch den Menschen wachsen darf.
Die Parkanlage endet direkt an der stark befahrenen Bundesstraße 27. Man überquert die Straße mit Hilfe einer Fußgänger-Lichtsignalanlage. Dahinter geht man zunächst geradeaus weiter und biegt nach 230 Metern nach links auf einen Feldweg ab. Der Feldweg führt auf den Stadtteil Eglosheim zu. Die Bebauung durchquert man im Zuge der Tammer Straße und der Bachstraße, immer in etwa geradeausgehend. Bald nach dem Ende der Bebauung stößt man auf die Markgröninger Straße. Hier wendet man sich nach links, bis man die Markgröninger Straße bei der Lichtsignalanlage überqueren kann.
Die Bürger des Ludwigsburger Stadtteils Eglosheim wehren sich gegen eine geplante Straße, die wertvolle Naherholungsgebiete zerstören würde. Unten auf dem Transparent heißt es: Westrandstraße nein, Riedgrabentunnel nein, B27-Tunnel ja.
Nach dem Überqueren der Markgröninger Straße geht man auf der anderen Straßenseite wenige Meter zurück und biegt dann nach links in die Strombergstraße ein. Diese Straße führt zur Bahnstrecke Ludwigsburg-Bietigheim, die man unterquert. Hinter der Unterführung biegt man nach rechts ab und folgt nun auf einem Feldweg der Bahnstrecke bis nach Asperg 
Der Weg führt an der viergleisigen, stark befahrenen Bahnstrecke Ludwigsburg - Bietigheim entlang. Im Hintergrund rechts ist der Asperg.
Man unterquert die Autobahn A81. In diesem Bereich finden zur Zeit (Januar 2012) Arbeiten für eine neue Erschließungsstraße auf Asperger Gebiet statt. Noch ist der Ludwigsburger Rundwanderweg durch die Bauarbeiten kaum beeinträchtigt. Wie das weitergehen wird, kann ich nicht sagen. Diese neue Erschließungsstraße ist ein Beispiel, wie unsere Landschaft in zwar kleinen Schritten, aber doch andauernd und über längere Sicht massiv immer weiter zubetoniert wird. Schade.

Man erreicht in Asperg die Eglosheimer Straße und folgt ihr nach links. An einer nagelneuen Kreisverkehrsanlage vorbei (die neue Erschließungsstraße lässt grüßen) kommt man zur Kreuzung Eglosheimer Straße / Alleenstraße. Hier biegt man nach rechts in die Alleenstraße ein und ist nach wenigen Metern beim Bahnhof von Asperg (S-Bahnlinie S5). 

Die Gesamtlänge der kleinen Wanderung ist ca. 6,3 Kilometer.     

Freitag, 20. Januar 2012

Zur ehemaligen Burg Frauenberg bei Stuttgart-Feuerbach

Von der ehemaligen Burg Frauenberg bei Stuttgart-Feuerbach würde heute niemand mehr etwas wissen, wenn nicht im Jahr 1973 die spärlichen Reste vor Ort gesichert worden wären und wenn heute dort nicht eine gut gelungene Informationstafel aufgestellt wäre. 

Gemäß den Angaben auf der Informationstafel wurde die Burg Frauenberg von 1220 bis 1250 erbaut und im Jahr 1251 erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 15. Jahrhunderts ist die Burg bereits zerfallen. Im Jahr 1520 wurden Mauersteine der Burg zum Bau der Stuttgarter Stadtmauer im Bereich des Bollwerk, am Oberen See und um die nördliche Vorstadt verwendet (das ist das Gebiet um den heutigen Berliner Platz). Von dieser Stuttgarter Stadtmauer ist ebenfalls schon lange nichts mehr zu sehen.

Im Jahr 1973 wurden Reste des Bergfrieds der Burg Frauenberg - staufisches Buckelquadermauerwerk und Steinmetzzeichen - gesichert. Um diese Mauerreste herum hat man ein kleine Anlage gebaut. Die Burgstelle befindet sich am Ende der Stichstraße "An der Burg" auf den Höhen südlich des Stuttgarter Stadtbezirks Feuerbach in der Nähe des Killesbergs. Früher muss man von der Burg eine wunderbare Aussicht auf das Feuerbacher Tal gehabt haben. Leider ist heute um die Burgstelle herum alles mit neuen Wohngebäuden zugebaut.

Die Burgstelle der ehemaligen Burg Frauenberg am Ende der Sackgasse "An der Burg" bei S-Feuerbach: im Vordergrund sind die neu angelegte Umrandung der Burgstelle und die Informationstafel.
Die Überreste der Burg Frauenberg muss man fast mit der Lupe suchen.
Überreste des Bergfrieds der ehemaligen Burg Frauenberg

Man kann die Burgstelle Frauenberg aus verschiedenen Richtungen erreichen. Ein möglicher Ausgangspunkt ist die Stadtbahnhaltestelle Killesberg. Man verlässt die Haltestelle auf der stadtauswärtigen Seite und folgt der Straße Am Kochenhof auf einem nördlich der Straße verlaufenden und durch einen Wall von der Straße getrennten Fußweg. Man biegt nach rechts in die Straße Feuerbacher Weg ab und folgt ihr, bis nach links die Straße An der Burg abzweigt. Dieser Straße folgt man bis zum Ende. Die Weglänge von der Stadtbahnhaltestelle Killesberg bis zur Burgstelle Frauenberg ist ca. 1,1 Kilometer.

Eine weitere Möglichkeit ist, aus dem Feuerbacher Tal über die Grünewaldstraße zur Burgstelle zu gelangen. Mit der Buslinie 91 fährt man bis zur Haltestelle Heimberg. Dort verlässt man die Feuerbacher Talstraße in Richtung Südosten, überquert den Feuerbach und biegt nach links aufwärts in einen Pflasterweg ein, der die Verlängerung der Grünewaldstraße darstellt. Die Grünewaldstraße führt schließlich zur Kreuzung mit dem Feuerbacher Weg. Dort wendet man sich nach links. Kurz darauf biegt man noch einmal nach links in die Straße An der Burg ab. Die Weglänge von der Bushaltestelle Heimberg bis zur Burgstelle Frauenberg ist ca. 1,2 Kilometer.

Es lohnt sich, das Wohngebiet, in dem sich die Burgstelle Frauenberg befindet, noch etwas näher zu erkunden (Grünewaldstraße, Spitzwegstraße, Fleckenweinberg usw.). In diesem Wohngebiet befinden sich viele neu errichtete Wohngebäude gehobenen Standards. Die Bebauung des Gebiets ist noch längst nicht abgeschlossen, was die zahlreichen Baustellen beweisen. Die vorherrschende Gebäudefarbe ist weiß. Ob es einem gefällt, muss jeder oder jede selbst entscheiden.     

 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Brucker Hölzle - der höchste Punkt des Landkreises Esslingen

Dies ist der zweite Post in der kleinen Serie in diesem Blog zu den höchsten Punkten der Region Stuttgart. Heute ist der Landkreis Esslingen an der Reihe. Der höchste Punkt des Landkreises Esslingen befindet sich auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb bei Bissingen-Ochsenwang. Ca. einen Kilometer südlich von Ochsenwang erhebt sich die bewaldete Kuppe des Brucker Hölzle mit einer Höhe von 830 m ü NN. 

Das Brucker Hölzle ist nicht nur die höchste Erhebung des Landkreises Esslingen, sondern der gesamten Region Stuttgart. Wer jetzt aber etwas besonderes erwartet, wird enttäuscht. Auf dem Gipfel des Brucker Hölzle befindet sich kein Gedenkstein, keine Informationstafel und kein gestalteter Aussichtspunkt. Es kommt noch schlimmer: auf das Brucker Hölzle führt nicht einmal ein Weg. Und wegen der Bewaldung des Gipfels hat man auch keine Aussicht.

Deshalb muss ich hier von einem Spaziergang auf den Gipfel des Brucker Hölzle abraten. Weiterlesen sollten nur die ganz Harten unter den Spaziergängern in der Region Stuttgart.

Ausgangspunkt für einen Besuch des Gipfels des Brucker Hölzle ist der Wanderparkplatz "Rauberweide". Mit dem Auto fährt man von der Anschlussstelle Kirchheim/Teck der A8 auf die B 465 in Richtung Süden, biegt bei der nächsten Gelegenheit nach links auf die K 1250 ab, fährt durch Nabern hindurch und biegt im Verlauf der K 1250 nach rechts ab hinauf auf die Albhochfläche bei Ochsenwang. Unmittelbar dort, wo die K 1250 nach einer scharfen Kehre die Albhochfläche erreicht, biegt nach rechts ein Sträßchen in Richtung Diepoldsburg ab. 500 Meter nach der Abzweigung führt dieses Sträßchen durch einen Wald. Links der Straße ist das Brucker Hölzle. 900 Meter nach der Abzweigung befindet sich links der Straße der Wanderparkplatz Rauberweide.
Auf der Informationstafel beim Wanderparkplatz Rauberweide ist das Brucker Hölzle verzeichnet. Diese Tafel ist eine von 75 Tafeln im Esslinger Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, die vor wenigen Monaten neu errichtet worden sind.
Auf der linken Seite des Wanderparkplatzes führt ein nicht markierter Weg in Richtung Osten in den Wald hinein. Diesem Weg folgt man nur ca. 150 Meter. Dann wendet man sich halblinks und folgt einer Spur in Richtung einer Waldlichtung. Es gilt nun, diese Waldlichtung zu erreichen.
Ein Wintersturm hat die Westseite der Buchen im Brucker Hölzle mit einer Schneeauflage versehen.
Die Waldlichtung unterhalb des Gipfels des Brucker Hölzle ist eine Schusswiese. Das zeigen Jägerschießstände, die gleich auf zwei Seiten der Wiese vorhanden sind.
Um Verwechslungen auf der Schusswiese zu vermeiden, ist es ratsam, dass man die Exkursion zum Gipfel des Brucker Hölzle im Winter nicht mit einem braunen Pelzmantel unternimmt. Auch Wollmützen mit Löffelohren sollte man zu Hause lassen.

Die Schusswiese erleichtert den weiteren Anstieg ungemein. Man folgt einfach der Wiese bis zu ihrem oberen Ende. Von dort sind es nur noch ca. 50 Meter im Wald bis zum höchsten Punkt.

Auf dem Gipfel des Brucker Hölzle: Wer es bis hierher geschafft hat, kann sich zur ganz kleinen Gruppe der Menschen zählen, die den höchsten Punkt der Region Stuttgart bestiegen haben. Nicht einmal Reinhold Messner hat es hierher geschafft.  
Allerdings sollte sich die Region Stuttgart einmal überlegen, ob sie ihren höchsten Punkt nicht besser bekanntmachen will. Ein Aussichtsturm auf dem Gipfel des Brucker Hölzle wäre gar nicht schlecht und auch mit den Schutzzielen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb vereinbar. Denn das Brucker Hölzle befindet sich außerhalb der Kernzonen des Biosphärengebiets.

Der Fußweg vom Wanderparkplatz Rauberweide bis zum Gipfel des Brucker Hölzle ist ca. 600 Meter lang (einfache Strecke). Wenn man wieder beim Wanderparkplatz zurück ist, kann man sich auf der Informationstafel weitere Wanderungen in diesem landschaftlich wunderschönen Gebiet heraussuchen. 

Donnerstag, 5. Januar 2012

Neuer Spaziergang durch Stuttgart`s Lautenschlagerstraße

Die Lautenschlagerstraße in der Stuttgarter Innenstadt gehört zur Zeit zu den Baustellenschwerpunkten in Stuttgart. Bereits im Post vom 09.06.2010 war ein Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße das Thema. Inzwischen gibt es einige neue Dinge zu sehen. Somit ist nun einer weiterer Spaziergang durch diese nur 420 Meter lange, parallel zur Königstraße verlaufende Straße angesagt.

Start des Spaziergangs ist die Einmündung der Lautenschlagerstraße in den Arnulf-Klett-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof.



Gehweg in der Lautenschlagerstraße zwischen Arnulf-Klett-Platz und Kronenstraße: hier zeigt sich bereits der für die gesamte Lautenschlagerstraße angestrebte boulevardartige Charakter mit breiten Gehwegen und einer Einbindung der Bäume in den Gehweg ohne Stufen.

Bei der Kreuzung Lautenschlagerstraße / Kronenstraße gibt es gleich zwei Veränderungen gegenüber dem Zustand beim letzten Spaziergang.
Das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion wurde in den letzten beiden Jahren umgebaut und erweitert. Die Bauarbeiten sind immer noch nicht ganz abgeschlossen. Der zur Kreuzung Lautenschlagerstraße / Kronenstraße zeigende Seitenflügel erhielt eine Aufstockung. 
Blick von der Kreuzung Lautenschlagerstraße / Kronenstraße entlang der Kronenstraße bis zum Ende der Kronenstraße bei der Königstraße: hier zeigt sich eine der Hauptmiseren der Stuttgarter Innenstadt. Es gibt kaum attraktive, lange und Blickbeziehungen bietende Straßenzüge, die quer zur Königstraße verlaufen. Damit bleibt das Stadterlebnis der Stuttgarter Innenstadt eindimensional. Um die Stuttgarter Innenstadt zweidimensional erleben und begehen zu können, müssen die quer zur Königstraße verlaufenden Straßen dringend aufgewertet werden. Die Kronenstraße muss in diesem Sinne über die Königstraße hinaus bis zum Oberen Schlossgarten verlängert werden. Hierzu muss in dem Gebäude im Hintergrund ein entsprechender Durchbruch geschaffen werden. Die gesamte Gebäudefront der Königstraße, die hier im Hintergrund sichtbar ist, steht in den kommenden 10 Jahren zur Erneuerung an. Ist dieser Durchbruch der Kronenstraße erst einmal geschaffen, ergeben sich neue Blick- und Fußwegbeziehungen in Richtung Schlossgarten, Staatstheater und auf den Stuttgarter Kesselrand. 
Ebenfalls an der Kreuzung Lautenschlagerstraße / Kronenstraße wurde das neue Gebäude für die Hotelkette Motel One erstellt. Auf der Fläche war vorher kein Gebäude. Bevor im Jahr 1993 die S-Bahn zum Flughafen eröffnet wurde, befand sich dort ein Terminal für die Flughafenbusse.
In das Gebäude des Motel One ist der Abgang zum S-Bahnhaltepunkt Hauptbahnhof integriert.
Nun folgt man der Lautenschlagerstraße weiter bis zum Ende des Gebäudes des Motel One. 
Hier an der Ecke des neuen Gebäudes des Motel One sieht man den Übergang von der neuen Straßengestaltung der Lautenschlagerstraße zur alten Gestaltung. Dies betrifft nicht nur den Gehwegbelag und die Lage des Randsteins, sondern auch die Gebäudelinie. Ein wichtiges Element der angestrebten boulevardartigen Gestaltung der Lautenschlagerstraße ist eine einheitliche Gebäudelinie. Somit wird klar, dass über kurz oder lang in der Lautenschlagerstraße weitere Gebäudebaustellen zu erwarten sind. Auch die Gebäude zwischen dem Motel One und dem im Hintergrund sichtbaren Gebäude mit der braunen Fassade müssen neugestaltet und an die Straße herangeführt werden.
An der Einmündung Lautenschlagerstraße / Thouretstraße stößt man auf die nächste Großbaustelle.
Das ehemalige EnBW-Gebäude wurde abgerissen. Hier entsteht ein neues Gebäude für Büros und Läden und eine neue Tiefgarage, Bülow-Carre genannt. Auch dieses Gebäude berücksichtigt die einheitliche, neue Gebäudelinie entlang der Lautenschlagerstraße.
Die auf dem Bauschild zu sehende Fassade des Bülow-Carres kann nicht ganz zufriedenstellen. Es ist zu viel Glas vorhanden. Das ist bedauerlich vor allem vor dem Hintergrund, dass das zuvor abgerissene Gebäude eine schöne Fassade aus braunrotem Sandstein hatte.
Man folgt weiter der Lautenschlagerstraße bis zum Ende der Baustelle des Bülowcarres.
Die Gloria-Passage, die bisher von der Königstraße zur parallel verlaufenden Stephanstraße führt, soll von der Stephanstraße bis zur Lautenschlagerstraße verlängert werden. Sie mündet dann rechts im Bild in die Lautenschlagerstraße.
Nach kurzer Zeit endet die Lautenschlagerstraße bei der querenden Bolzstraße. Nach links kommt man zum Schlossplatz. In ein bis zwei Jahren gibt es dann hier in diesem Blog den nächsten Spaziergang durch die Lautenschlagerstraße.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Württembergischer Weinwanderweg wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Der Schwäbische Albverein hat jetzt angekündigt, dass der Württembergische Weinwanderweg aus Anlass des in diesem Jahr anstehenden 25jährigen Wegjubiläums verbessert werden und wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden soll.

Der 470 Kilometer lange Württembergische Weinwanderweg ist der längste deutsche Weinwanderweg und einer von über einem Dutzend Weitwanderwegen des Schwäbischen Albvereins. Der Weg beginnt in Aub in Bayern und endet in Esslingen. Unterwegs führt der Württembergische Weinwanderweg durch fast alle Weinlagen Württembergs. In der Region Stuttgart verläuft der Württembergische Weinwanderweg durch den Landkreis Ludwigsburg, den Rems-Murr-Kreis, die Landeshauptstadt Stuttgart und den Landkreis Esslingen. 

Das Markierungszeichen des Württembergischen Weinwanderwegs ist eine stilisierte rote Traube auf weißem Grund. In diesem Blog war der Württemberische Weinwanderweg bereits einmal das Thema. Im Post vom 11.02.2011 ging es um den allerletzten Wegabschnitt von Stuttgart-Rotenberg bis nach Esslingen.

Am 12. Mai 2012 sollen beim Landesfest des Schwäbischen Albvereins in Bad Friedrichshall neue Prospekte und Karten zum Württembergischen Weinwanderweg vorgestellt werden. Der Württembergische Weinwanderweg ist bereits auf den Freizeitkarten des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung verzeichnet. Ein ausführlicher Führer zu diesem Weg vom Schwäbischen Albverein aus den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist jedoch bereits seit langer Zeit vergriffen. 

Sobald die neuen Informationsmaterialien verfügbar sind, werden wir in diesem Blog auf den Württembergischen Weinwanderweg zurückkommen und dann vielleicht auch einen weiteren in der Region Stuttgart gelegenen Wegabschnitt testen.    

Dienstag, 27. Dezember 2011

Rund um den Bannwald "Silbersandgrube" im Schönbuch

Die Schutzgebietskategorie des Wildnisgebiets - wie zum Beispiel die Wilderness Area in den USA - gibt es bisher in Deutschland nicht. Zwar sind Betrebungen auf EU-Ebene im Gange, Wildnisgebiete in Europa zu fördern, zu katalogisieren und in Richtlinien zu fassen. Bis das aber nach Baden-Württemberg vordringt, wird es noch ein paar Jahre dauern. Solange muss man sich Wildnisgebiete mühsam zusammensuchen. Aber es gibt solche Gebiete, auch in der Region Stuttgart.

Wildnis gibt es in Deutschland in den Naturwaldreservaten (in BW heißen die Naturwaldreservate als einzigem Bundesland "Bannwald"), in den Kernzonen der Biosphärenreservate (in BW Biosphärengebiet), in einem mehr oder weniger großen Teil der Nationalparks sowie in einigen wenigen Naturschutz- und FFH-Gebieten. 

Im Naturpark Schönbuch gibt es zur Zeit drei Bannwälder. Nur einer davon befindet sich in der Region Stuttgart. Dies ist der Bannwald Silbersandgrube. Eine Umrundung dieses Bannwalds ist ein schöner Schönbuchspaziergang, bei dem man gleichzeitig noch an einer archäologischen Sehenswürdigkeit vorbeikommt.

Der Bannwald Silbersandgrube mit einer Größe von 19,6 Hektar wurde im Jahr 1993 verordnet. Vorausgegangen waren die Stürme Vivian und Wibke, die Anfang der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts das Gebiet, in dem später der Bannwald eingerichtet wurde, sowie die angrenzenden Gebiete großflächig verwüsteten. Der Bannwald Silbersandgrube ist ein gutes Anschauungsobjekt für die Kraft der Natur, die ohne Zutun des Menschen einen neuen Wald aufbaut.

Ausgangspunkt der kleinen Wanderung ist der Wanderparkplatz Schaichhof südlich von Holzgerlingen. Von der Autobahn A81 fährt man bei der Anschlussstelle Hulb auf die B 464 in Richtung Süden. Man fährt an Holzgerlingen vorbei, später noch an der Kreuzung beim Schaichhof. Dahinter tritt die B 464 mit einer Linkskurve in den Wald und gleichzeitig in den Naturpark Schönbuch ein. Bald fährt man an einem Schild vorbei, das den nächsten Wanderparkplatz rechts der Straße ankündigt. Man muss von der B464 scharf rechts auf einen Fahrweg abbiegen. Dem Fahrweg folgt man 1,3 Kilometer, bis man auf der linken Seite zum Parkplatz kommt.

Vom Parkplatz geht es nach Süden in den Wald hinein. Man folgt der Beschilderung "Ehemalige Kapelle" (das ist die bereits genannte archäologische Sehenswürdigkeit). 250 Meter nach dem Start kommt man zum Schönbuchgatter, das einen von drei Rotwildbezirken in BW umfasst. Man geht durch das Tor und geradeaus weiter. 400 Meter nach dem Gatter kommt man zu einer Weggabelung. Man nimmt den rechten Ast und steigt etwas an. Links des Wegs ist ein Wasserbehälter. Ein Kilometer nach der Gabelung kommt man zu einer Dreifachweggabelung. Hier beginnt der Bannwald. Man nimmt nun den nach links führenden Weg (auf einem Schild steht der Name Schneißenweg). Über den mittleren grasigen Weg kommt man später wieder hierher zurück. Der Bannwald befindet sich zwischen dem nach links führenden und dem mittigen grasigen Weg, die Umrundung des Bannwalds verläuft im Uhrzeigersinn. Nun geht es am Bannwald entlang, der sich rechts des Wegs (Schneißenweg) befindet.

Rechts des Wegs sieht man bald Schilder, die den Bannwald kennzeichnen.
Die Birke ist eine Pionierbaumart, die verwüstete Flächen als erste besiedelt.
Dieser Baum liegt nun schon 20 Jahre am Boden, sein Holz wird von Tieren und Pflanzen hunderter Arten zersetzt.
Von Moos überzogenes Totholz und Winternebel sorgen für geheimnisvolle Stimmungen.
Baumpilz auf Totholz
Ca. 700 Meter nach der Dreifachgabelung endet der rechts des Wegs gelegene Bannwald. Man folgt dem Weg weiter geradeaus und kommt bald zu einer markanten Rechtsbiegung des Wegs. Dort befinden sich links des Wegs die Überreste einer ehemaligen Einsiedelei. Eine Tafel gibt über die Geschichte der Einsiedelei Auskunft.

Reste der Klause (Vordergrund) und Kapelle (Hintergrund) der ehemaligen Einsiedelei auf dem Bromberg
Von der ehemaligen Einsiedelei folgt man dem Forstweg weiter, der nun fast einen 180 Grad-Bogen gemacht hat. Man geht nun Richtung Westen und bald Nordwesten. Links des Wegs fällt nun der Hang des Brombergs steil in das Tal des Großen Goldersbachs ab. Bald befindet sich rechts des Wegs wieder der Bannwald Silbersandgrube. 800 Meter nach der ehemaligen Einsiedelei kommt man zu einer Wegverzweigung. Rechts sieht man das Bannwaldschild, links sieht man ein Schild, das auf eine Wildschutzzone hinweist. Hier biegt man nach rechts auf den Grasweg ab, der zwischen Bannwald (rechts) und Wildschutzzone (links) entlangführt. 650 Meter geht man auf dem grasigen Weg, dann hat man wieder die schon bekannte Dreifachgabelung erreicht. Von dort geht es zum Parkplatz zurück. Die gesamte Wegstrecke ab / bis Parkplatz ist ca. 6 Kilometer lang.